Nachhaltigkeit im Handgepäck – Die Autorin Claudia Endrich zeigt mit ihrem Buch, wie umweltbewusstes Reisen geht

© Holly Mandarich | Unsplash

Ein Gap-Year in Australien, ein Auslandssemester in Südostasien und in den Semesterferien mit dem Backpack durch Südamerika – so lesen sich mittlerweile viele Lebensläufe. Denn zu reisen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und den eigenen Horizont zu erweitern gehört fast schon zum guten Ton. Doch in Zeiten von Klimawandel und Fridays for Future müssen wir uns nun gleichzeitig einer ganz anderen Herausforderung stellen und vor Allem eines auf unsere Packlisten schreiben: Umweltbewusstsein.

Doch was bedeutet das für eine Generation, die sich durch Neugierde auszeichnet und die Welt entdecken will? Können wir nachhaltig leben und trotzdem reisen? Diese Fragen beschäftigen auch Claudia Endrich. Auf ihrer Reise durch Peru sieht die Weltenbummlerin sich zunehmend mit den Auswirkungen ihres kosmopolitischen Lebensstils konfrontiert. Statt einfach nur umher zu jetten, begibt sie sich auf eine Suche nach erkenntnisreichen Antworten. Dabei spricht sie nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern teilt offen und authentisch ihre eigenen Erfahrungen und lässt auch unangenehme Themen, die ihr während der Reise selbst immer bewusster werden, nicht aus. Ihr Buch "Das nächste Mal bleib ich daheim" ist keine Moralpredigt, sondern eine Einladung, das eigene Reiseverhalten zu hinterfragen. Wenn du dich inspirieren lassen willst, kannst du dich hier schon mal einlesen:

Auszug aus "Das nächste Mal bleib ich daheim" von Claudia Endrich

Ich bin in meinem Freundeskreis für meine Reiseversessenheit bekannt, werde von manchen darum beneidet und verwirre viele mit der Unzahl meiner Reisepläne. Wie es sich für die junge, vielsprachige Europäerin von heute gehört, habe ich unter anderem eine Interrail-Reise, ein Erasmus-Austauschsemester und ein Volontariat in Afrika gemacht. Das vergangene halbe Jahr habe ich zum Abschluss meines Studiums in Kanada verbracht. Und seit ich Ottawa vor einem Monat mit 35 Kilogramm Gepäck verlassen habe, habe ich den Segen unserer Mobilität zu verabscheuen gelernt.

Mit dem Zug nach Toronto, mit dem Bus durch die Großstadt, mit dem Flieger über Island nach München, Familie in Salzburg und Vorarlberg besucht, bei Freunden in Wien untergekommen und die Masterprüfung abgelegt, mit dem Zug nach Marseille zu Freunden, mit dem Bus nach Madrid, und jetzt, nur vier Wochen später, bin ich hier. Die nächsten zwölf Stunden habe ich nun Zeit, mich auf einen neuen Lebensabschnitt zu freuen. Sieben Monate Südamerika – und ich habe tatsächlich keine Lust darauf.

Ich war wahnsinnig stolz auf meinen Plan, meine Flugdistanz auf das Notwendigste, nur über den Atlantischen Ozean, zu reduzieren. Doch ich muss zugeben, dass ich dies beim vierten Umstieg am Bahnhof in Lyon langsam bereute, genauso wie mitten in der Nacht am Busbahnhof von Bordeaux, wo es schön dunkel war, nach Urin duftete und ich aus Mangel an Nahrungsangebot über meine als Gastgeschenk gedachten Mozartkugeln herfiel. Stolz berichtete ich Muriel von dieser Odyssee. Immerhin hatte ich ökologisches Denken praktisch von ihr gelernt. Umso schockierter war ich, als ich erfuhr, dass sie selbst mit dem Flugzeug aus Brüssel gejettet war, um mich hier zu treffen.

Wie zum Vorwurf berichtete ein Radiomoderator ihres Lieblingssenders eines Morgens, während wir auf dem Balkon unserer Unterkunft im Mistral-verwehten Marseille frühstückten: "Umweltforscher sagen, dass nur drei große Maßnahmen tatsächlich nachhaltig das Klima schonen: Nicht Auto fahren, nicht Fliegen und keine Kinder bekommen." "Also, Muriel, keine Kinder?", lachte ich.

Buch_Dieses Mal bleib ich daheim_Claudia Endrich
© Edition Atelier

"Das nächste Mal bleib ich daheim" von Claudia Endrich ist am 18. Februar 2020 bei Edition Atelier erschienen.

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