Eingecheckt – Reise in eine andere Zeit im Menina Colina Guesthouse

In unserer Serie Eingecheckt stellen wir dir schöne und nachhaltige Unterkünfte in ganz Europa vor: hippe Design-Hotels, gemütliche Ferienhäuser für Familien, abgeschiedene Berghütten, schicke und ausgefallene Lodges oder hübsche Glamping-Domizile. Hier ist für jeden Urlaubstypen etwas dabei. Hast du auch in einer Unterkunft übernachtet, die wir unbedingt mal vorstellen sollen? Dann schreib uns an [email protected].

Übernachten im Menina Colina Guesthouse

Beim ersten Anlauf finde ich den kleinen Eingang des Hotels fast nicht, so unscheinbar wirkt das Haus von der Straße aus. Doch sobald ich den ersten Fuß über die Schwelle des Menina Colina Guesthouse in Porto setze, ist "unscheinbar" ein Wort aus einer anderen Galaxie. Es ist ein bisschen so, als wäre ich durch Zufall im Wandschrank auf dem Weg nach Narnia gelandet. Schon der Eingangsbereich prunkt mit meterhohen Decken, die mit reichlich Stuck und die Wände mit alten Gemälden geschmückt sind. Am Ende der Lobby, wenn man so will, ragt eine riesige alte Holztreppe geschwungen in die oberen Stockwerke. Auf den einzelnen Stufen ist noch der Schatten des Teppichs zu erkennen, der hier bis vor ein paar Jahren seit 1850 gelegen hat.

Wer bis jetzt noch nicht komplett sprachlos ist, der wird es spätestens beim Anblick der Zimmer sein. Jedes der neun Zimmer des Menina Colina ist einzigartig und individuell gestaltet, verfügt über ein eigenes Badezimmer und hat einen kleinen Balkon, sofern das Zimmer zum Garten raus geht. Ich bin im "Camélia" untergebracht, ein Traum aus Pink mit grünen Akzenten. In einer Ecke ist eine Art Würfel gebaut, der Kleiderschrank und Badezimmer beinhaltet. Die Betreiber*innen wollten keine "richtigen" Wände einziehen, um die wunderschöne, mit Stuck verzierte Decke als Ganzes zu bewahren. Als ich das erste mal auf dem riesigen Boxspringbett mit Blick nach oben liege, weiß ich auch, warum.

Menina Colina Guesthouse
© Lilli Wermuth
melina colina
© Lilli Wermuth
Menina Colina Guesthouse
© Lilli Wermuth
Menina Colina Guesthouse
© Lilli Wermuth

Ich checke erst spät am Abend in das Menina Colina ein, das nur einen Katzensprung vom João Chagas Park gelegen ist und mitten im Trubel Portos eine absolute Ruheoase bildet. Morgens werde ich vom Zwitschern der Vögel geweckt und fühle mich spätestens beim Frühstück wie eine Prinzessin. Thomas und Mavi, die hier beide für die Gäste zuständig sind, verwöhnen einen von Kopf bis Fuß. So erwartet mich zur wichtigsten Mahlzeit des Tages nicht einfach ein 0815-Buffet, nein, Romain macht mir frische, vegane Pancakes, presst selbst Orangensaft und tischt allerlei kleine Dinge auf, die mich weiter staunen lassen.

So viel sei gesagt: Farbe spiel nicht nur in den Zimmern eine wichtige Rolle. Grüner Pistazienkuchen neben orangener Kürbiskonfitüre und rosigem Brot, das seine Farbe Roter Bete zu verdanken hat: Im Menina Colina ist einfach alles Kunst – aber nicht künstlich, denn sämtliche Zutaten für das Frühstück sind natürlich und kommen aus der Region. Der Frühstücksraum befindet sich übrigens genau dort, wo früher der Speisesaal war. Von hier macht man nur einen Schritt und schon landet man im üppig begrünten Garten, in dem man auch frühstücken, ein Buch lesen oder einfach die Nase in die Sonne halten kann.

Geschichte & Gegenwart im Menina Colina Guesthouse

In Porto gibt es unzählige verlassene Häuser, viele davon direkt im Zentrum der Stadt, erzählt mir Mavi. Das Menina Colina gehört einer Gruppe von vier Freunden, die es 2017 renovierten, um das alte Gebäude wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der erste Besitzer des Hauses, José Joaquim Correia, ließ es um 1854 für seine Familie erbauen. Äußerlich eher in schlichtem klassischen Stil gehalten (womit wir wieder beim Wort "unscheinbar" wären), barg es im Inneren schon viele dekorative Elemente der Epoche, die bis heute sehr gut erhalten geblieben sind. Correia wohnte dort mit seinen Eltern und Geschwistern bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, um die Jahrhundertwende wechselte der Besitz. Viele der Deckenstucke und Malereien, beispielsweise im Musikzimmer, entstanden in dieser Zeit.

Während den Renovierungen und der Rekonstruktion wurde sehr darauf geachtet, den historischen Flair des Hauses zu bewahren. Die Decke im "Camèlia" ist also nicht nach Lust und Laune so bunt gestaltet worden, sondern lediglich farblich etwas aufgefrischt. Moderne Infrastruktur wurde integriert, fast ohne die alte Substanz zu verändern. Und da altes Mobiliar oft etwas Muffiges ans sich hat, ergänzt die moderne Einrichtung das Ganze wunderbar.

Menina Colina Guesthouse
© Menina Colina Guesthouse
Menina Colina Guesthouse
© Menina Colina Guesthouse | Lilli Wermuth
Menina Colina Guesthouse
© Menina Colina Guesthouse

Ausflüge rund um das Menina Colina Guesthouse

Es grenzt an Absurdität, dass das Menina Colina eine solche Oase ist – wo es doch mitten in der Altstadt von Porto liegt. Umgeben von geschäftigen Gassen, brodelnden Bars und charmanten Cafés. Du brauchst dich also gar nicht weit von den heiligen Hallen wegbewegen und bist schon mitten drin im Leben. Den Parque das Virtudes strebst du zum Sonnenuntergang an, hier sitzen Locals wie auch Tourist zusammen, trinken Bier, von hier und da kommt Musik und der Blick auf den roten Feuerball am Himmel ist einfach unbezahlbar.

Ebenfalls fußläufig oder ein paar wenige Stationen mit den Öffentlichen befindet sich der Bahnhof São Bento, von dem aus du mit dem Zug ans Meer kommst. Ein Ticket nach Miramar kostet gerade mal 1,80 Euro, aber Achtung: Die Züge verkehren nicht unbedingt so, wie auf dem Plan ausgeschrieben. Das gilt übrigens für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Portugal. Einmal in Miramar angekommen, ist diese Sorge jedoch wie weggebalsen. Der Strand erstreckt sich kilometerweit, du findest hier also immer ausreichend Platz. Außerdem ist die kleine Kapelle, die Capela do Senhor da Pedra, ein absolutes Must-See! Ich weiß nicht, was es ist, aber irgendwas an Gebäuden, die auf Felsen ins Wasser gebaut sind, hat etwas Mystisches an sich und gibt mir direkt Arielle-Vibes. Und zurück im Menina Colina geht's dann ja auch wieder weiter mit dem Prinzessinnen-Feeling.

Porto Parque das Virtudes
© Lilli Wermuth
Porto
© Lilli Wermuth
Miramar Porto
© Lilli Wermuth

Alle Infos zum Menina Colina Guesthouse

Wer sollte hier Urlaub machen: Alle, für die ein Hotel nicht einfach nur Schlafplatz ist. Alle, die sich gerne verzaubern und verwöhnen lassen. Alle, die über eine Kamera verfügen, denn die Schönheit des Hotels will man einfach nur für alle Zeit festhalten.

Das solltest du unbedingt einpacken: Eine Kamera, obviously, und das Mittel gegen Kopfschmerzen deiner Wahl – in Porto wird viel Portwein getrunken. Gute Schuhe sind auch nicht schlecht, denn hier geht es immer bergauf oder bergab.

Weitere Highlights in der Gegend: Etwa fünf Minuten zu Fuß schlenderst du zum Parque das Virtudes, dem Nummer 1-Sundowner-Spot. Außerdem steckst du hier wirklich mitten in der Altstadt, mit unzähligen süßen Cafés und Bars direkt ums Eck. Und merke: Alle Wege runter führen an den Douro! Unseren Guide für Porto mit 11 weiteren Tipps findest du hier.

Anreise: Nach Porto fliegst du innerhalb von drei Stunden von Deutschland aus. Während viele Airlines eher Schwester Lissabon anfliegen, gibt es auch ein paar kleinere, die ohne Zwischenstop hier landen. Von München aus geht's dafür zum Beispiel zum Memmingen Flughafen. Einmal auf portugiesischem Boden, nimmst du den Bus 601 vom Flughafen direkt nach Cordoaria. Dauert zwar eine Stunde, je nach Verkehr, ist aber mit 2 Euro die absolut günstigste Wahl.

Menina Colina Guesthouse | Rua Dr. Alberto Aires de Gouveia 15–19, 4050-023 Porto | ab 102 Euro pro Nacht | Zur Website

Ich wurde vom Menina Alina Guesthouse eingeladen. Das beeinflusst aber nicht meine ehrliche Meinung.

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