Österreich schafft als erstes Land in Europa Billigflüge ab

© Charlott Tornow

Für 6 Euro nach Mallorca, für 8 Euro nach Oslo, für 15 Euro nach Barcelona. Ich habe meine Kolleg*innen nach ihrem günstigsten Flug in den letzten Jahren gefragt und diese Antworten bekommen. 6 Euro! Ein Tagesticket für die Öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin kostet sogar mehr.

In den letzten Jahren wurden die Preise für Flüge innerhalb Europas immer günstiger. Keine Frage, Billigflüge sind der Traum aller, die gern Urlaub machen oder eine kurze Auszeit brauchen – sei es für einen Wochenendtrip, um die Freunde im Ausland zu besuchen, oder um sich die lange Anreise mit dem Auto oder dem Zug zu ersparen. Das ist toll fürs eigene Bankkonto und solche Preise ermöglichen auch einkommensschwächeren Familien den Urlaub in einem weiter entfernten Land. Für die Umwelt aber ist es eine Katastrophe. Denn die Abwärtsspirale sieht so aus: Durch die Tiefstpreise wird die Nachfrage nach Flügen immer größer, die Anzahl der Flüge steigt, womit sich die Umweltbelastung durch schädliche CO2-Emissionen erhöht und den Klimawandel beschleunigt. Hinzu kommt das Problem des Overtourism: Urlaubsziele stehen vor dem touristischen Kollaps und müssen mit den sozialen und ökologischen Folgen des Ansturms leben.

Österreich schafft Billigflüge ab

Die einzige Lösung für dieses Problem: Einerseits müssen wir immer wieder auf das Problem aufmerksam machen und unser eigenes Reiseverhalten grundlegend ändern. Andererseits müssen Billigflüge abgeschafft werden. Und genau das macht die österreichische Regierung jetzt! Die hat Anfang Juni 2020 im Zuge der Rettung der eigenen Fluggesellschaft Austrian Airlines neue Bedingungen für den Klimaschutz vereinbart. Ab 2021 wird der Mindestpreis für Flugtickets bei rund 40 Euro liegen, inklusive aller Gebühren, Steuern und Abgaben. Laut der österreichischen Regierung dürfen also keine Flugtickets verkauft werden, die billiger als die eigentlichen Kosten sind. Für Mittel- und Langstrecken-Flügen gilt nun eine Flugticketabgabe von 12 Euro, für Kurzstreckenflüge unter 350 Kilometer sogar von 30 Euro! Der Plan sieht sogar vor, Kurzstreckenflüge komplett abzuschaffen.

Die neuen Reglungen treffen auch vor allem die Airlines, die mit Dumpingpreisen erst den Flugexzess ermöglichten. In vielen europäischen Ländern verteilen Regierungen nach der Corona-Krise gerade Staatshilfen an ihre Airlines, die an Bedingungen geknüpft sind: Air France muss Inlandsstrecken abbauen, in Deutschland soll Lufthansa den Ausbau alternativer Kraftstoffe fördern und auch die Niederlande will nun einen Mindestpreis für Flugtickets einführen.

Ganz klar, 40 Euro für einen Flug ist immer noch viel zu wenig, aber ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal.

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