Das Buch “Abenteuer im Gepäck” zeigt, was die Faszination des Reisens ausmacht

© Marcus Fornell

Kann man überhaupt pauschal definieren, was ein echtes Abenteuer ausmacht? Nach über einhundert Weltwach-Episoden mit berühmten Reiseveteranen und Grenzgängern ist Moderator Erik Lorenz überzeugt davon, dass Abenteuer "so vielseitig sein können, wie die Menschen, die sie erleben". In seinem kürzlich erschienenen Buch Abenteuer im Gepäck zeigt er gemeinsam mit seinen viel gereisten Gesprächspartnern, auf welch unterschiedliche Weise ein Abenteuer daherkommen kann und was die Faszination des Reisens wirklich ausmacht.

Daraus ist ein Sammelsurium an ungewöhnlichen Lebensentwürfen und bebilderten Storys entstanden, die zum Weltenbummeln inspirieren. Auf den knapp 200 Seiten reihen sich Anekdoten aneinander, die von dem Mut, den ersten Schritt zu machen, der Kraft, zu scheitern oder den Geheimnissen der Tiefe erzählen. Unter anderem berichten Bergsteigerlegende Reinhold Messner oder Langstreckengeher Stephan Meurisch, der von München bis nach Tibet lief, über ihre Erlebnisse.

Eine Lektüre der Superlative

Doch es geht nicht nur darum, was der eine oder die andere Weltenbummler*in Aufregendes erlebt hat, sondern vor allem darum, wie all diese Orte, Begegnungen und Situationen "auf uns wirken und uns verändern, wenn wir uns ihnen aussetzen", so Erik Lorenz.

Es ist eine "grundlegende Offenheit für das Unbekannte, die Freude am Unabwägbaren, an ständiger Veränderung und körperlicher und mentaler Herausforderung", die die Protagonisten seines Buches verbindet. Der Autor ist überzeugt davon, dass ein wenig von diesem Mut und dieser Resilienz in jedem von uns zu finden ist: "Wir müssen nicht gleich einen Berg besteigen oder eine Wüste durchqueren, sondern auf unsere eigene Weise zumindest gelegentlich den Weg des geringsten Widerstands und unsere Komfortzone verlassen – ob auf einer Reise, in unserem Job oder in anderem Zusammenhang. So bleiben wir wach und können das Leben intensiv spüren."

Mich haben insbesondere die Reisen und das Engagement von Dirk Rohrbach begeistert, den man vielleicht auch durch die TerraX-Doku Abenteuer Alaska kennt. Seit rund 30 Jahren bereist der promovierte Arzt jeden Winkel Nordamerikas. Um die indigenen Völker zu unterstützen und den Erhalt von Kultur und Sprache zu fördern, hat er den Verein Tatanka Oyate e. V. gegründet. Auf seinen nervenaufreibenden Touren wird er immer wieder mit der Kraft der Wildnis konfrontiert: Rund 3000 Kilometern paddelte Dirk Rohrbach den Yukon River in einem selbstgebauten Kanu aus Birkenrinde entlang und erfuhr im wahrsten Sinne des Wortes die Weite des Kontinents auf dem Sattel seines Rades. Hier könnt ihr einen exklusiven Ausschnitt aus Dirk Rohrbachs Kapitel lesen.

nicht anderweitig verwendbar_Desert Camp, Nevada_Dirk Rohrbach
© Dirk Rohrbach | www.dirk-rohrbach.de

Auszug aus "Die Weite spüren" von Dirk Rohrbach

"Ich mag einfach die Weite, die das Land hat. Diese Weite prägt die Menschen und lässt sie freier denken. Ich bin mit dem Rad einmal um Amerika herumgefahren, fast fünfzehntausend Kilometer, und das hat mich total versaut. Denn wenn du ein halbes Jahr in dieser Weite unterwegs bist und dann zurück nach Deutschland kommst, merkst du, wie eng das hier ist, nicht nur räumlich, sondern vielfach auch in den Köpfen der Menschen.

Unterwegs auf dem Highway 50 in Nevada, der vermeintlich einsamsten Straße Amerikas, war mein Fahrrad mit Ausrüstung, Fotoequipment und Proviant so überladen, dass ich für die gewaltigen Etappen nicht genügend Wasser mitführen konnte. Stattdessen malte ich mir ein Schild mit der Aufschrift »H2O? ☺« und befestigte es hinten an meinem Fahrrad.

Dann raste ein Truck an mir vorbei und bremste. Bis er stand, war er weit vor mir. Ich konnte sehen, dass der Fahrer ausstieg, eine kleine Wasserflasche auf den Boden am Straßenrand stellte und weiterfuhr, weil ich noch ein paar Minuten brauchen würde, bis ich an jener Stelle ankommen würde. Das war Wahnsinn – so berührend! Die Menschen kümmern sich dort umeinander. Sie sind so wachsam und hilfsbereit, weil sie wissen, dass das Land rau und potenziell gefährlich ist. Deshalb halten sie zusammen."

Abenteuer im Gepäck_Cover
© National Geographic

Abenteuer im Gepäck ist am 18. Mai 2020 bei National Geographic erschienen.

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