Welchen nachhaltigen Siegeln im Tourismus kann ich trauen?

© Björn Wisnewski

In unserer Reihe "Future Travel" beantworten wir spannende Fragen zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus und wie wir in Zukunft reisen werden. Kann Massentourismus nachhaltig sein? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf unser Reiseverhalten? Worauf sollte man bei der Kompensation des Urlaubs achten? Welche alternativen Reisemodelle gibt es? Hast du selbst eine interessante Frage zum Thema? Dann schreib uns an [email protected]

Was ist Zertifizierung?

Beim Einkaufen im Supermarkt sind dir sicher auch schon mal all die verschiedenen Gütesiegel aufgefallen – von Bioland über Demeter bis hin zu Freiland. Welches Siegel was genau bedeutet, ist gar nicht so einfach zu durchschauen. Grundsätzlich sollen Zertifizierungen den Verbraucher*innen dabei helfen, eine nachhaltigere Kaufentscheidung zu treffen. Auch im Tourismus kannst du verschiedenste Siegel, Sternchen oder grüne Blätter finden, die Nachhaltigkeit suggerieren sollen. 

Die Auszeichnungen gibt es im Tourismus für Unterkünfte, National- und Naturparks, für den Gastronomiebetrieb oder auch für ganze Regionen. Jedes Label steht für andere Kriterien, aber oft handelt es sich um Maßnahmen, die dem Schutz der Umwelt dienen oder für faire Arbeitsbedingungen sowie für den Erhalt von kulturellem Erbe sorgen sollen. Manche Zertifikate sind regional begrenzt, andere sind länderübergreifend in ganz Deutschland, Europa oder sogar international gültig. Aber welchen Anforderungen sollen die Zertifikate überhaupt entsprechen und welchen Labels kannst du vertrauen?

Die großen Unternehmen wollen suggerieren, dass sie auch Teil einer neuen Tourismusentwicklung sind. Das ist ein großes Problem, denn für uns als Endverbraucher*innen ist es schwer herauszufinden, welche Kriterien wirklich für einen nachhaltigeren Urlaub stehen.

Das Problem mit der Zertifizierung

Die Zertifizierungen in Deutschland sollen für Destinationen, Hotels und Tourismusunternehmen unter anderem Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit oder auch Familienfreundlichkeit bewerten. Mittlerweile verleihen sich Anbieter in der Branche auch eigene Label, denn "grün" und nachhaltig zu sein, ist in Mode. Die großen Unternehmen wollen suggerieren, dass sie auch Teil einer neuen Tourismusentwicklung sind. Das ist ein großes Problem, denn für uns als Endverbraucher*innen ist es schwer herauszufinden, welche Kriterien wirklich für einen nachhaltigeren Urlaub stehen. Welche Siegel sind zum Beispiel ein klassisches Beispiel für Greenwashing?

Grundsätzlich ist es hilfreich, zu wissen, wer die Zertifikate vergibt. Handelt es sich um eine staatliche Institution, eine NGO, einen Tourismusverband oder um ein privatwirtschaftliches Unternehmen? Das bestimmt, wie unabhängig beziehungsweise wie wirtschaftsorientiert die Zertifikate vergeben werden. Wichtig ist, dass die Zertifizierungskriterien transparent veröffentlicht werden. Wenn du die Richtlinien nicht vollständig einsehen kannst, ist es wahrscheinlich, dass ein Gütesiegel eher Greenwashing betreibt, als dass es wirklich nachhaltigen Prinzipien folgt. 

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© Milena Magerl

Was ist Greenwashing?

Viele Menschen erwarten mittlerweile, dass auch große Unternehmen nachhaltig agieren und zum Beispiel ihre Produktionsprozesse und Lieferketten anpassen. Grundsätzlich geht es beim Greenwashing darum, ob Unternehmen wirklich grün handeln oder bei den Verbraucher*innen mit verschiedenen Mitteln nur den Anschein von Nachhaltigkeit erwecken wollen. Unternehmen versuchen dann, durch gezielte Marketingstrategien sich selbst rein zu waschen. Aussagen wie "weniger Plastik als herkömmliche Verpackungen" oder "conscious" sind dir sicher schon mal aufgefallen. Durch die Nutzung dieser Begriffe sollen Endverbraucher*innen kein schlechtes Gewissen beim Konsum haben und unter Umständen denken, dass der Kauf eines Produktes sogar eine gute Sache ist. Deswegen solltest du auf jeden Fall hinterfragen, wofür genau eine "grüne" Aussage von Unternehmen steht.

Zertifizierungslabels in Europa

Damit du bei der Buchung der nächsten Reise einen besseren Überblick hast, habe ich für dich ein paar Labels in Europa herausgesucht, deren Siegel du vertrauen kannst. Wenn du das nächste Mal eine Reise planst und auf diese Labels stößt, kannst du davon ausgehen, dass gewisse nachhaltige Richtlinien eingehalten werden.

Blaue Schwalbe
© Blaue Schwalbe

Die blaue Schwalbe ist das erste Öko-Label für Unterkünfte und vergibt innerhalb Europas schon seit 1989 sein Siegel an ökologische Hotels, Gasthöfe, Campingplätze und Pensionen. Das Label, das vom Magazin wirsindanderswo vergeben wird, legt Wert auf eine gesunde, regionale und zum Teil vegetarische Küche. Viele der Unterkünfte, die das Siegel erhalten haben, sind auch ohne Flugzeug oder Privatauto zu erreichen. Gerade im Hinblick auf die Einsparung von CO2 sind diese Hotels keine schlechte Wahl.

Viabono
© Viabono

Viabono fokussiert sich auf Reisen innerhalb Deutschlands und zeichnet Unternehmen in der Hotellerie, Gastronomie, aber auch Ferienwohnungen und Campingplätze aus. Viabono wurde 2001 auf Initiative des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes gegründet, um nachhaltigen Tourismus in Deutschland zu fördern. Viabono achtet unter anderem auf den CO₂-Ausstoß, Wasserverbrauch sowie Restabfall. Um das Siegel zu erhalten, ist der Bezug von Lebensmitteln mit regionaler Herkunft und fairem Handel eine Voraussetzung. 

Tourcert
© Tourcert

Tourcert setzt sich für einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismus ein und arbeitet eng mit Unternehmen zusammen, um nachhaltiger zu handeln. Das Tourcert-Zertifikat folgt strengen Kriterien bezüglich Nachhaltigkeit. Das Siegel wird nicht nur der Hotellerie, sondern auch Reiseveranstaltern und kompletten Destinationen verliehen. Wer dieses Siegel erhält, hat einen mehrmonatigen Zertifizierungsprozess durchlaufen und sich umfangreich mit Nachhaltigkeit und CSR auseinandergesetzt. Neben Unternehmen können auch Destinationen ausgezeichnet werden, die über das Tourcert Siegel hinaus ein grünes N erhalten, was ein nachhaltiges Reiseziel besser kennzeichnen soll.

European Ecolabel
© European Ecolabel

Vielleicht bist du schon mal auf dieses Label gestoßen, denn das European Ecolabel zeichnet neben touristischen Dienstleistungen auch Produkte wie Reinigungsmittel oder Hygieneprodukte aus. Es wurde 1992 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und seit 2000 werden zusätzlich Campingplätze und Beherbergungsbetriebe mit dem Siegel ausgezeichnet. Wenn eine Unterkunft mit dem Label ausgezeichnet ist, dann sollte sie ihren Energie- und Wasserverbrauch begrenzen, weniger Abfälle produzieren, bevorzugt erneuerbare Ressourcen nutzen und innerhalb des Betriebes weniger umweltschädliche Stoffe und Reinigungsmittel nutzen.

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