Zurück zu den Wurzeln – Waldbaden im Gasteinertal

© TVB Hofgastein, Marktl

Während wir als Kinder am liebsten durch den Matsch gerannt oder in Pfützen gehüpft sind, ist heute unsere Zimmerpflanze meist das einzige Stück Natur, mit dem wir im Alltag in Kontakt kommen. Wir haben uns von unserem ursprünglichen Lebensraum entfernt. Dabei tut uns Zeit im Wald intuitiv gut. Fernab von gesellschaftlichem Leistungsdruck und der ständigen Erreichbarkeit, scheint die Welt hier stillzustehen. Zwischen Bäumen und Blattwerk können wir nicht nur physisch, sondern auch mental einen Gang zurückschalten. Die Seele baumeln lassen. Aber warum tut uns der Kontakt mit der Natur so gut?

Im Prinzip ist das ganz einfach zu erklären: Der Wald steckt in unserer DNA. Denn aus evolutionärer Sicht haben wir Menschen uns quasi erst kürzlich von der Natur distanziert und uns für ein Leben in der Stadt entschieden. Unser natürliches System ist aber noch auf die Natur gepolt. Wenn die natürlichen Reize fehlen, gerät unser Körper und unser Geist aus der Balance. In einer Zeit, in der Stress eine Begleiterscheinung unserer schnelllebigen Zivilisation ist, bietet ein Aufenthalt im Wald deshalb einen vielschichtigen Erfahrungsraum, in dem wir in Ruhe reflektieren können und unser Umfeld aus neuen Perspektiven betrachten können.

Waldbaden ist die einfachste Gesundheitsfürsorge

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Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass intensive Aufenthalte im Wald das Stresssystem des Menschen beruhigen, unser Immunsystem stärken und unsere kognitiven Fähigkeiten verbessern. Wenn die Sonne durch die Baumwipfel schimmert, die Blätter rauschen und die Vögel zwitschern, wird unser parasympathisches Nervensystem aktiviert. Unser Blutdruck sinkt und die Atmung wird ruhiger. Unser Kopf kann abschalten, wir können entspannen und neue Energie tanken. Je länger wir uns in der Natur aufhalten, desto intensiver und nachhaltiger ist dieser Effekt. Der Wald ist sozusagen ein nie versiegender Jungbrunnen und die leichteste Gesundheitsfürsorge überhaupt.

Japanische Ärzte empfehlen bereits seit den 80er Jahren Shinrin Yoku, was übersetzt soviel wie Wald(luft)baden bedeutet. Zum Waldbaden braucht ihr aber gar keine Badekleidung und müsst auch nicht eure Schwimmkenntnisse im Waldsee demonstrieren. Waldbaden ist eine Einladung, mit all euren Sinnen in die Atmosphäre des Waldes einzutauchen und die Unaufgeregtheit der Natur zu genießen. Es ist viel mehr als nur ein Spaziergang. Waldbaden ist echtes Yoga für die Sinne.

Wie bade ich denn richtig im Wald?

In Anwesenheit der uralten Bäume imitiert ihr sozusagen den Erneuerungsprozess der Natur. Entspannende Atemübungen, energetische Bewegungen oder gezielte Aufmerksamkeitstechniken helfen euch dabei unwichtige Gedanken auszublenden und euch ganz dem natürlichen Rhythmus hinzugeben. Ihr habt die Möglichkeit der Natur auf unterschiedliche Weise wieder zu begegnen: Ihr könnt zum Beispiel die natürlichen Strukturen von Bäumen und des Waldbodens mit Händen und Füßen ertasten oder die verschiedenen Gerüche der Hölzer und Pflanzen riechen. So könnt ihr beim Waldbaden euer Körperbewusstsein stärken oder eure eigene Wahrnehmung schulen. Je vielschichtiger der Wald ist, in dem ihr badet, desto intensiver und vielseitiger ist euer Waldbad.

Die Heilkraft der Natur im Gasteinertal

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Die Umgebung von Gastein ist eine meiner Lieblingsregionen für ein ausgiebiges Waldbad. Denn in den verschiedenen Höhenlagen rundum den Kurort könnt ihr die unterschiedlichsten Naturräume erkunden. Von Fichtenwäldern über die Schneeheide-Föhrenwälder bis hin zu den Lärchen und Zirben – jedes Waldstück hat seine ganz eigene "Energie". Denn die unterschiedlichen Terpene, die Aromastoffe der Bäume, haben einzigartige entspannende Effekte auf Körper und Geist.

Weil das Gasteinertal zu einer der führenden Gesundheitsregionen gehört, die sich der Rückbesinnung zur Natur widmen, gibt es hier neben zahlreichen Wellness- und Yogaangeboten sogar mittlerweile die Möglichkeit, unter Anleitung ein Bad im Wald zu nehmen, ganz im Einklang mit der Natur. Es gibt aber auch eine kostenlose Broschüre, die durch gleich zwei Waldareale führt, die zum Waldbaden prädestiniert sind: Das Angertal, das am Fuße des beeindruckenden Stubnerkogel liegt und euch mit sieben Stationen zum Waldbaden erwartet. Und der etwas längere Wasserfallweg oberhalb von Bad Hofgastein, der bis zum Gräfinsitz führt und 14 Stationen zum Waldbaden bietet. Zusammen mit NATURERESPONSE® wurden Übungen entwickelt, die in Resonanz zu den Naturplätzen der Route stehen. Beide Waldstücke sind leicht erreichbar und stecken voller einmaliger Walderlebnisse.

Waldbaden im Angertal

Gleich zu Beginn solltet ihr einmal von dem klaren Heilwasser des Gasteinertales kosten. Auch wenn ihr euch danach schon wie neugeboren fühlt, kann ich euch versprechen, dass noch mehr auf euch wartet. Wenn ihr dem Bachlauf in den Wald folgt, versucht schon mal bewusst ein- und auszuatmen, um den intensiven Geruch der Waldluft wahrzunehmen. Weil unser Geist schnell nervös wird, wenn wir die Bewegungen unseres Körpers verlangsamen, achtet auf die Bewegungen der Natur um euch herum. Währenddessen lasst ihr die Arme kraftvoll und bewusst nach hinten schwingen. Diese Übung weitet euren Brustraum. Dadurch öffnet ihr euch sozusagen dem Wald gegenüber, und eure Bewegungen und der Geist werden freier. Wichtig ist, dass ihr nicht losmarschiert, sondern jeden Schritt bewusst macht. Dafür müsst ihr nicht unbedingt in slow motion wandern, aber ihr solltet in der Lage sein zu spüren, wie jeder Teil eurer Füße den Boden berührt.

Irgendwann geht es dann links bergauf in Richtung Schattbachalm. Als Erstes erreicht ihr die Station "Doppel-Dusche". Hier wartet eine Aufmerksamkeitsübung auf euch. Sucht euch oberhalb des Baumes einen Platz und nehmt einen festen Stand ein und schließt die Augen. Dann versucht ihr die unterschiedlichen Wassergeräusche von der Seite und von vorne wahrzunehmen. In Gedanken stellt ihr euch vor, ihr würdet das Wasser auf eurer Haut spüren und gerade eine Dusche nehmen. Danach geht es erfrischt weiter. In der Kräuter-Waldwiese begebt ihr euch auf die Suche nach eurer inneren Mitte. Das klingt erstmal ein bisschen zu esoterisch, aber es geht eigentlich einfach nur darum, die eigene Balance zu finden und ausgeglichener zu werden.

Waldbaden ist alles andere als Esoterik

Dann folgt meine Lieblingsübung, die Los-Lass-Linie – eine Reihe von Baumstümpfen: Ihr geht langsam von Baumstumpf zu Baumstumpf. Auf dem Baumstamm spannt ihr kurz jeden Muskel eures Körpers an, von den Fußsitzen bis hin zu eurer Stirn, haltet die Luft für einen Moment an und lasst alles wieder los und atmet sanft und möglichst lange wieder aus. Atmet wieder ein und beschwingt und leicht geht es weiter! Insgesamt warten noch vier weitere Stationen auf euch, mal bewegungsintensiv, mal ruhig und entspannend.

Mein persönlicher Tipp für die letzte Station im Waldbade-Areal Angertal: Überall in den Höhen wächst eine besondere Moosart, die sehr heilsam für eure Lunge ist. Setzt euch auf den Waldboden, schließt die Augen und atmet drei mal tief ein: Den ersten Atemzug nehmt ihr durch die Nase und atmet durch den Mund wieder aus, wieder durch die Nase ein und über die Lippen aus (hört sich an wie ein Pferd), für den letzten Atemzug wieder durch die Nase einatmen und doppelt so lang durch die Nase ausatmen. Öffnet die Augen und genießt die Aussicht auf das Grün um euch herum.

Viel Spaß beim Waldbaden! Was sind eure Erfahrungen damit?

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