Der Oberlausitzer Bergweg – zwischen Gipfelkreuzen und Fachwerkcharme
Die tiefstehende Sonne wirft ihre Dämmerungsstrahlen auf die Bergkuppen des Zittauer Gebirges, das sich bis zum Horizont erstreckt. Kleine Dörfer zwischen dichten Waldstücken, weite Landschaften aus Feldern und Wiesen – der Aufstieg hat sich gelohnt. Leicht schnaufend stehe ich neben dem Gipfelkreuz der Lausche auf 793 Metern und damit direkt auf der deutsch-tschechischen Grenze. Schon 20 Kilometer bin ich heute gewandert, um nun diese Aussicht zu genießen: entlang kleiner Bäche durch Orte voll malerischer Fachwerkhäuser, durch Felder voller mannshoher Maispflanzen und schließlich tief hinein in den Wald und hinauf zum Kammweg entlang der weißen Grenzpfosten – um jetzt auf der höchsten Erhebung Deutschlands östlich der Elbe zu stehen!
Alle Infos zum Oberlausitzer Bergweg
Zum ersten Mal habe ich vom Oberlausitzer Bergweg gehört, als er bei der diesjährigen Wahl zu „Deutschlands schönstem Wanderweg" den fünften Platz erreicht hat – und damit der bestplatzierte Wanderweg Ostdeutschlands ist. Auf 128 Kilometern führt er vom Butterberg in Bischofswerda bis zum Zittauer Marktplatz. Unterwegs erklimmst du stolze sechs Bergkuppen und wanderst durch dichte Laub- und Fichtenmischwälder mit echtem Alpengefühl. Start- und Endpunkt der Tour sind über Dresden bequem mit der Bahn zu erreichen – damit ist der Oberlausitzer Bergweg ein wunderbares Wanderziel, ganz gleich, von wo in Deutschland du anreist. (Hamburg–Dresden etwa 3,5 Stunden, Nürnberg–Dresden rund 3,5 Stunden – nur um zwei Beispiele zu nennen).
Ein kleines Gebirge ganz groß
Mit gerade einmal 50 Quadratkilometern Fläche ist das Zittauer Gebirge das kleinste Mittelgebirge Deutschlands. Das bedeutet aber nicht, dass hier kein echtes Bergwandergefühl aufkommt. Insbesondere rund um den eindrucksvollen Nonnenfelsen, den du auf der fünften Tagesetappe erreichst, türmen sich die für die Region typischen Sandsteinfelsen zu teils bizarren Formationen auf. Diese Felsen, die im Lauf von Jahrmillionen durch Witterungseinflüsse ihre abgerundete Form erhalten haben, werden nur von den Vulkankuppen der höchsten Berge der Region überragt.
Um diese besondere Landschaft zu schützen, erlebbar zu machen und mehr Wissen über die Einzigartigkeit der Region zu vermitteln, wurde das Gebiet 2008 als Naturpark ausgewiesen. Schon seit Jahrzehnten wird hier darauf geachtet, dass die touristische Erschließung der Region Hand in Hand mit dem Naturschutz gelingt. So gibt es in dieser Region sogar noch Luchse, Wölfe, Biber und seltene Fledermausarten. Wenn du mehr über den Naturpark Zittauer Gebirge erfahren möchtest, kannst du einen der 13 Naturlehrpfade erkunden – auch entlang des Oberlausitzer Bergwegs selbst findest du viele informative Tafeln zu Flora und Fauna dieser über 1.000 Jahre alten Kulturlandschaft. Eine gerade für Kinder spannende Erlebnisausstellung findest du im Naturparkhaus Zittauer Gebirge in Waltersdorf.
Wandern zwischen Geschichte und Zukunft
Wie besonders die Kultur der Oberlausitz ist, erkennst du auf dem Oberlausitzer Bergweg bereits in Neukirch. Hier siehst du zum ersten Mal die für die Region typischen Umgebindehäuser. Tiefer in das Thema tauchst du auf der Etappe von Eibau über Großschönau nach Waltersdorf ein, wenn du dem Denkmalpfad Oberlausitzer Umgebinde folgst. Die Häuser verbinden Elemente aus Blockbau, Fachwerk und Massivbau: Ein hölzernes Stützgerüst umgibt die Stube im Erdgeschoss und trägt das Obergeschoss. Die Bauweise ist eng mit der Geschichte der Weberei in der Region verbunden. Wie sehr die Textilindustrie Großschönau geprägt hat, erfährst du im Deutschen Damast- und Frottiermuseum.
Aber auf dem Oberlausitzer Bergweg wandelst du nicht nur auf den Spuren längst vergangener Geschichte, sondern auch direkt am Puls der europäischen Gegenwart. Spätestens kurz vor Zittau, an der Neiße, wird das deutlich: Grundschulkinder laufen über die Wiesen zwischen der polnischen, tschechischen und deutschen Flagge umher – welches Kind woher kommt, lässt sich unmöglich sagen. Immer wieder denke ich entlang der Route darüber nach, wie unglaublich es ist, dass ich hier völlig frei durch den Wald wandern kann, wo vor noch nicht einmal 20 Jahren Grenzpatrouillen das Bild prägten. Eine Wanderung durch Sachsens Süden, die ganz nebenbei vor Augen führt, in welche wunderbare Zukunft uns die europäische Idee noch führen könnte.
Wandern ohne Lasten
Was den Oberlausitzer Bergweg zur idealen Route auch für Wander-Neulinge macht, ist das gute Serviceangebot der Strecke. Du kannst die Tour als Wanderpauschale buchen, bei der nicht nur deine Unterkünfte, sondern auch Frühstück, Lunchpaket und Gepäcktransport inklusive sind. Zusätzlich bekommst du alle nötigen Karten und Informationen vorab per Post zugeschickt. So musst du dann nur deine Sachen packen, die Wanderschuhe schnüren – und los geht's.
Wir hatten die 4-Tages-Tour von Eibau bis Zittau gebucht und waren begeistert davon, wie problemlos alles geklappt hat. Die Unterkünfte reichen von liebevoll geführten Pensionen wie der Pension Grandel in Eibau bis zu größeren Wanderhotels wie dem Naturparkhotel Haus Hubertus im traumhaften Kurort Oybin. Die meisten Hotels haben ein eigenes Restaurant, und wenn nicht, findet sich eines vor Ort – sodass du keine Verpflegung mitschleppen musst. So bist du wirklich völlig unbeschwert unterwegs und kannst dich ganz darauf konzentrieren, deine Wanderung durch die abwechslungsreiche Landschaft zu genießen.
Anthea Schaap