Die Sommer-Macher: Zu Besuch bei der Manufaktur Sylt-Strandkörbe

© Charlott Tornow

Wenn ihr an die Nord- und Ostsee denkt, was fällt euch da als erstes ein? Vor meinem inneren Auge erscheinen jede Menge kreischende Möwen, die Touristen das Fischbrötchen aus der Hand klauen. Ich spüre die salzige Luft auf meiner Haut und nehme als erstes den Algengeruch des Meeres wahr. Und während ich meine nackten Füße in den Sand grabe, fallen mir natürlich die blau-weiß gestreiften Strandkörbe ein! Strandkörbe – was ist das doch für eine geniale Erfindung. Während am Strand der Wind jegliches gemütliche Liegen und Sonnen unmöglich macht und viel mehr für ein ungewolltes Peeling durch den Sand sorgt, kann man sich im Strandkorb entspannt zurücklehnen, während der Sturm draußen bleibt und die Sonne genüsslich auf der Haut brutzelt.

Der Strandkorb wurde übrigens schon 1882 in Rostock erfunden. Der Adligen Elfriede von Maltzahn ging es wie vielen anderen Menschen heute noch: Sie litt an Rheuma, eine Krankheit, die sich nicht allzu gut mit Zugluft verträgt. Dennoch wollte sie das gesundheitsfördernde Klima des Meers genießen. Also ging sie zum Korbmacher Wilhelm Bartelmann und beauftragte ihn, einen "Strand-Stuhl" zu fertigen, der Schutz vor Sonne und Wind bot. Geboren war der erste Strandkorb aus Weiden und Rohr. 1883 fertigte Bartelmann bereits ein Modell für zwei Person und im Sommer eröffnete seine Frau Elisabeth Bartelmann eine Strandkorbvermietung in Warnemünde.

Seit 1947 werden auf Sylt Strandkörbe gefertigt

Bartelmanns Werkstatt wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört, dem Siegeszug des Strandkorbs tat das aber keinen Abbruch. Heute sind die Strandkörbe nicht mehr von der Nord- und Ostsee wegzudenken. Dabei gibt es nur noch wenige Manufakturen, die wie Bartelmann vor mehr als 100 Jahren die Strandkörbe von Hand fertigen. Eine Familie, die das Handwerk aufrecht erhält, ist auf Sylt heimisch. Etwa zur gleichen Zeit, als Bartelmann sein Handwerk aufgab, ging der gelernte Korbmacher Paul Schardt nach Sylt. 1947 fertigte er auf der Insel seinen ersten Strandkorb. Heute arbeitet das Familienunternehmen bereits in der dritten Generation und trägt maßgeblich zum Bild von Sylt bei.

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Handwerk & Nachhaltigkeit

Zunächst übernahm Schardts Sohn Willy Trautmann die Firma, der wiederum seine Tochter Svenja und seinen Sohn Benjamin mit ins Boot holte. Mittlerweile ist auch Svenjas Mann André Möller im Betrieb tätig. In ihrer Fabrik in Rantum fertigen sie mit einem kleinen Team im Jahr knapp 700 Strandkörbe, weitere 1000 sind in der Vermietung. Wobei André Möller stolz erzählt, dass sie eine von drei verbliebenen Manufakturen an der Nordsee sind, die nicht nur von Hand, sondern auch nachhaltig fertigen. Für das Gerüst nutzen sie Fichte und Meranti aus nachhaltigem Anbau, für den Regenschutz im Strandkorb werden alte Banner recycelt und die gesamte Fabrik wird mit Holzabfällen geheizt.

André zeigt mir jeden Raum und jede Halle, erklärt mir die Funktionsweise fast jeden Geräts und natürlich wie so ein Korb überhaupt aufgebaut ist – nämlich aus 163 Einzelteilen, wobei das Besondere an den Sylt-Strandkörben ist, dass sie eine Rückholunterstützung haben, sodass man sich beim Aufrichten nicht den Rücken verrenkt. In der Fabrik wird dabei nicht nur das Holz verarbeitet und zu der ikonischen Strandkorb-Form zusammen gesetzt, es gibt auch eine Schneiderei, in der die Stoffe zugeschnitten werden, und eine Werkstatt, in der das Geflecht angebracht wird. André erzählt mir, dass sein Kollege und Korbflechter Jimmy schon seit 37 Jahren für das Unternehmen tätig ist. Hier wird also nicht nur Wert auf Handarbeit, sondern auch Familienbande gelegt.

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Tipps zur Pflege von Strandkörben

Handwerk und Nachhaltigkeit zahlen sich aus, denn bei guter Pflege hält so ein Sylter Strandkorb 25 Jahre durch. Andrés Tipps: Der Korb sollte auf Rollen stehen, damit er von unten keine Feuchtigkeit speichert. Nach dem Sommer sollte der Stoff nachimprägniert werden. Die Abdeckplane muss im Winter trocken sein. Und natürlich sollte auch der Korb im Winter trocken gelagert werden.

Übrigens sind die Strandkörbe aus Sylt so beliebt, dass sie mittlerweile auf der ganzen Welt heimisch sind. "Wir haben schon nach Australien und Neuseeland verschickt", erzählt André. Wer sich selbst den Sommer nach Hause holen möchte, der kann sich direkt vor Ort in der Fabrik seinen eigenen Strandkorb zusammenstellen und kaufen. Angeboten werden Ein-, Zwei- und Dreisitzer und jede Menge verschiedene Stoffe, wobei André anmerkt: "Ihr müsst da auch noch in 20 Jahren drauf schauen." Heißt: Bei der Stoffwahl sollte man sich nicht von Trends leiten lassen. Denn am Ende ist doch so ein blau-weißer Strandkorb immer noch am zeitlosesten und schönsten, oder?

© Charlott Tornow

HIER FINDET IHR SYLT STRANDKÖRBE

Sylt-Strandkörbe | Hafenstraße 10, 25980 Sylt / OT Rantum | Montag – Freitag: 10–17 Uhr

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