Travel Buddies – Unterwegs mit Alina Rudya vom Bell Collective

© Alina Rudya

In unserem Format "Travel Buddies" erzählen uns Reiseprofis, warum sie die Welt erkunden, wie sich auf ihre Reisen vorbereiten, was im Urlaub nicht fehlen darf und was man zuhause lassen kann. Außerdem verraten sie uns ihren Geheimtipp für Europa.

Alina Rudya ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich in einer Pressemitteilung über das neue Buch des Fotografinnenkollektiv Bell Collective gelesen habe, das sie gegründet hat. Ich war sofort verliebt in die Fotos von Alina und der anderen vorgestellten Fotografinnen. Dabei zeigt Alina auf ihren Fotos nicht nur einfach Orte und Plätze, sie inszeniert Farben, Stimmungen und Menschen so, dass jedes Bild von ihr eine Geschichte zu erzählen scheint – je nachdem, was der Betrachter sieht und interpretiert. "Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte"  trifft bei Alina mehr denn je zu. Schaut euch unbedingt mal ihren Instagram-Account an!

Alina, warum reist du?

Ich reise, weil ich nicht still sitzen kann. Schon als kleines Mädchen war ich fasziniert vom Reisen und wollte es zu meinem Lebensstil und Beruf machen.

Du hast das Fotografinnenkollektiv Bell Collective gegründet, das nur aus Frauen besteht. Wie kam es dazu?

Derzeit befinden wir uns als Menschen in einer Übergangsphase. Auf dem Papier haben Frauen und Männer die gleichen Rechte und Möglichkeiten (zumindest in der westlichen Gesellschaft). Trotzdem sind die alten Traditionen und die patriarchalische Mentalität immer noch präsent und obwohl Frauen in vielen Branchen professionell arbeiten, sind sie vor allem in Medien immer noch weniger präsent, es gibt weniger Stellenangebote und somit weniger Glaubwürdigkeit. Es gibt auch bestimmte Stereotype über weibliche Vorlieben und berufliche Entscheidungen. Deshalb habe ich Bell Collective gegründet – um zu zeigen, dass Frauen Profis sind, nicht nur Musen, sondern auch Schöpferinnen und Künstlerinnen.

© Alina Rudya, Bell Collective, DuMont Reiseverlag

Findest du, dass Frauen anders reisen und fotografieren als Männer?

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Fotografinnen und Fotografen aus professioneller Sicht nicht unterscheiden. Es gibt bestimmte Gender-Themen, die  Frauen leichter handeln können, und Themen, die von Männern leichter umzusetzen sind (ich spreche hauptsächlich von Dokumentarfotografie, bei der ein gewisses Maß an Vertrauen zwischen dem Dokumentierten und dem Dokumentar erreicht werden muss). Aber wenn es um Kreativität, technische Kompetenz und so weiter geht, sind Frauen und Männer gleich. Wenn es ums Reisen geht, gibt es Klischees und persönliche Entscheidungen. Die sozialen Medien möchten uns glauben machen, dass Männer furchtlose Abenteurer sind und Frauen es vorziehen, im Bikini am Pool zu entspannen. Diese Klischees verkaufen sich gut, aber sie sind nicht wahr. Es gibt furchtlose Frauen, die Berge besteigen und tief ins Meer tauchen – und es gibt Männer, die All-Inclusive-Urlaub am Pool in farbenfrohen Badehosen bevorzugen.

Die sozialen Medien möchten uns glauben machen, dass Männer furchtlose Abenteurer sind und Frauen es vorziehen, im Bikini am Pool zu entspannen. Diese Klischees verkaufen sich gut, aber sie sind nicht wahr. Es gibt furchtlose Frauen, die Berge besteigen und tief ins Meer tauchen – und es gibt Männer, die All-Inclusive-Urlaub am Pool in farbenfrohen Badehosen bevorzugen.

Was bedeutet Fotografieren für dich persönlich?

Fotografie ist mein Leben und ich kann es mir nicht ohne vorstellen. In letzter Zeit beschäftige ich mich auch mit Videografie und ich habe bereits wundervolle Videos für einige meiner Kunden wie Mercedes und Nikon aufgenommen. Im Allgemeinen kann ich mich als sehr glückliche Person bezeichnen: Ich habe es geschafft, meine Leidenschaft zur Karriere zu machen.

Zeigst du uns mal dein absolutes Lieblingsbild von dir?

Ich bin in letzter Zeit wirklich fasziniert von der Drohnenfotografie und eines meiner Lieblingsbilder habe ich in meiner Heimatstadt Kiew aufgenommen. Es gibt jedoch noch viele weitere Bilder, die ich liebe, und es ist schwierig, einen Favoriten auszuwählen. Ich mache auch Dokumentarfotografie und alle meine Bilder aus meinem Buch "Prypyat mon Amour" (über die Geisterstadt Prypyat, die aus der Zeit nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl evakuiert wurde) haben eine besondere Bedeutung für mich.

Alina Rudya
© Alina Rudya

Du bist so viel rumgekommen. Erzähl uns von einer Sache, die du auf Reisen gelernt hast.

Auf meinen Reisen habe ich gelernt, dass das, was wir in den Medien sehen, nicht immer die Wahrheit oder zumindest nur ein kleiner Teil der Wahrheit ist.

Was war dein schönstes Reiseerlebnis bisher?

Ich habe drei Top-Reiseziele und Erlebnisse: das Burning Man Festival in der schwarzen Felsen-Wüste, den Grand Canyon in Nevada im Regen sehen und im Hubschrauber in den Grand Canyon fliegen 3-tägige Jeep-Tour in Bolivien, wo ich Salar de Uyuni besuchte und den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens sah

Welchen Ort in Europa müssen wir unbedingt gesehen haben?

Ich habe 3 Top-Reiseziele: Island ist vielleicht mein liebstes Land auf der ganzen Welt. Danach kommt der Tunnel der Liebe in Klevan in der Ukraine. Da ich ursprünglich aus der Ukraine komme, teile ich gerne schöne Orte aus meinem Land, zumal sie bei Touristen nicht so beliebt sind. Und dann Mallorca: Ich liebe diese kleine Insel und habe sogar in Port de Soller geheiratet!

Alina Rudya
© Alina Rudya

Wie bereitest du dich auf deine Reisen vor? Recherchierst du viel oder lässt du dich treiben?

Wenn ich reise, mache ich mir einen groben Plan und dann lasse ich mich treiben. Die besten Dinge, die ich bisher erlebt habe, waren zufällig und nicht geplant.

Wie sieht ein normaler Reisetag bei dir aus?

Ich habe keinen "normalen" Reisetag, da mein Zeitplan von einem Reiseziel und den Personen abhängt, mit denen ich reise. Das Einzige, was konstant bleibt, ist, dass ich meine Kamera nicht loslasse und überall Bilder mache.

Was darf in deiner Reisetasche nicht fehlen?

Ein Visum! Ich reise so oft, dass ich manchmal vergesse, dass ich als Ukrainerin ein Visum benötige, um in bestimmte Länder zu reisen, da die Ukraine nicht Teil der EU ist.

Alina Rudya
© Alina Rudya

Und was lässt du zuhause?

Großes Gepäck. Seit ein paar Jahren reise ich mit Handgepäck und schaffe es problemlos, alles, was ich brauche, in eine kleine Tasche zu packen.

Reisen & Nachhaltigkeit: Was ist dein ultimativer Tipp?

Ich fliege leider viel zu oft. Wenn man professionelle*r Reisefotograf*in ist, ist das allerdings unvermeidlich. Aber ich versuche immer, Geschäft und Vergnügen zu verbinden, deshalb reise ich fast nie nur zum Spaß. Ich reise auch lieber mit dem Zug als mit dem Flugzeug oder Bus, wenn ich durch Deutschland reise.

Zu guter Letzt: Wer inspiriert dich gerade?

Ich bin von großartigen und talentierten Frauen inspiriert. Nicht nur Reisende oder Fotografe*innen, aber alle Profis, die es geschafft haben, sich einen Namen in von Männern dominierten Branchen zu machen.

Vielen Dank!

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