Cheese Rolling – Das steckt hinter dem Brauch aus England

© Mikal Ludlow

Im Südwesten von England, in Gloucester, steigt jedes Jahr ein Wettrennen der besonderen Art. Jeden Frühling laufen unzählige Menschen einem runden Käse hinterher, der einen steilen Hügel hinunterrollt. Ein Brauch, der Erklärung bedarf.

Der Wettbewerb selbst ist, so skurril er klingt, schnell erklärt. Ein runder Gloucester-Käse, der etwa vier Kilo wiegt, wird einen Hügel herunter gerollt. Ziel ist es, dem Käse hinterherjagend, als erstes hinter der Ziellinie anzukommen. Der*die Gewinner*in bekommt als Preis, wie sollte es anders sein, den Käse. Schafft es eine*r der Teilnehmer*innen, den Käse selbst zu fangen, wäre das zwar das ursprüngliche Ziel, heute aber eine Sensation. Denn der Käse rollt mit einer Sekunde Vorsprung vor den Läufer*innen los und nimmt, je länger er den Hügel hinunterrollt, an Geschwindigkeit zu. Bis zu 112 km/h kann der Käse auf dem Weg nach unten erreichen, für Läufer*innen ist es also quasi unmöglich, ihn einzuholen.

Cheese Rolling in England
© Mikal Ludlow

Mitmachen können alle, die älter als 18 Jahre sind

Schauplatz des Spektakels ist der Cooper's Hill in Brockworth, der mit einer Steigung von 45 Grad zwar nur 200 Meter lang, dafür aber extrem steil ist. Dort finden nicht etwa ein, sondern gleich vier Cheese-Rolling-Rennen statt. Drei für Männer und eines, an dem nur Frauen teilnehmen dürfen. Eigentlich sind pro Rennen nur 14 Personen zugelassen, meistens aber schmeißen sich deutlich mehr Teilnehmer*innen den Hügel hinunter. Aufrecht kommt fast keiner der Läufer*innen an. Weil der Hügel eine so starke Steigung hat, ist es fast unmöglich, nicht über die Ziellinie zu rollen oder zumindest zu stolpern. Unten werden die Teilnehmer*innen aufgefangen: In den letzten Jahren war es das örtliche Rugby-Team, das dafür gesorgt hat, dass die Läufer*innen hinter der Ziellinie nicht weiter purzeln.

Das Rennen klingt ziemlich gefährlich – und das ist es auch. In der Vergangenheit wurden bereits Zuschauer*innen durch den Käse verletzt, bis dieser vor knapp zehn Jahren schließlich durch eine leichtere Version aus Schaum ersetzt wurde. Auch hat die Polizei bereits versucht, das Rennen aufgrund der durchaus verständlichen Sicherheitsbedenken zu verbieten. Doch das interessiert vor Ort wenige, der Wettbewerb findet weiterhin statt, nun eben illegal. Alle, die sich davon nicht abschrecken lassen, und über 18 Jahre alt sind, dürfen an dem Rennen teilnehmen. Wohl auch deshalb kommen Menschen aus aller Welt nach Gloucester. Mitmachen ist ganz einfach: Teilnehmer*innen müssen sich nicht etwa anmelden oder Formulare ausfüllen, sondern einfach am Tag der Veranstaltung am Hügel sein.

Cheese Rolling in England
© Mikal Ludlow

Das Rennen findet meistens an einem Sonn- oder Montag im späten Frühling statt. Traditionell startet das "Cheese Rolling" mit dem Spruch: „One to be ready, two to be steady, three to prepare, and four to be off“, übersetzt also so viel wie: „Einer, um bereit zu sein, zwei, um sich stabil zu machen, drei, um sich vorzubereiten (bei diesem Signal wird der Käse gerollt) und vier, um weg zu sein“.

Der Ursprung des Käse-Wettrennens

Wie die skurrile Tradition entstanden ist? Dazu gibt es mehrere Theorien. Fest steht, dass das Cheese Rolling seit mindestens 1800 auf dem Cooper Hill stattfindet, wahrscheinlich ist das Rennen aber bis zu 600 Jahre älter. Es könnte auf einen heimischen Brauch zurückgehen, bei dem brennende Reisig-Bündel den Hügel hinuntergeworfen wurden, um den Frühlingsanfang zu feiern. Eine andere Theorie besagt, dass die Tradition einst die Weiderechte der Einwohner*innen in der Nähe des Hügels festigen sollte. Es könnte aber auch sein, dass man den Käse ursprünglich in der Hoffnung auf Fruchtbarkeit den Hügel hinuntergerollt hat.

Wenn du mehr über die Tradition erfahren willst, solltest du bei Netflix vorbei- und in den Dokumentarfilm "We are the Champions" reinschauen. Auch auf YouTube kannst du dir das chaotische Spektakel auf einigen Videos anschauen. Erst, wen du auf Videos siehst, wie die Teilnehmenden übereinander und ineinander purzeln, kannst du wirklich erfassen, wie skurril, lustig und gefährlich diese englische Tradition tatsächlich ist.

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