Earthship: Wie funktioniert ein Haus aus Müll?

© Milena Magerl

In unserer Reihe "Future Travel" beantworten wir spannende Fragen zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus und wie wir in Zukunft reisen werden. Kann Massentourismus nachhaltig sein? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf unser Reiseverhalten? Worauf sollte ich bei der Kompensation meiner Reise achten? Welche alternativen Reisemodelle gibt es? Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir mit diesem Format auf den Grund. Hast du selbst eine interessante Frage zum Thema? Dann schreib uns an [email protected].

Normalerweise schaue ich mit unserer Artikelreihe “Future Travel” in die Zukunft, aber jetzt geht es erstmal in die Vergangenheit, denn ich mache einen Abstecher in das Jahr 1971. Damals hat der Architekt Michael Reynolds den Grundstein für ein futuristisches Hausbau-Konzept gelegt: Der Amerikaner baute in New Mexico sein erstes Haus aus Müll, ein sogenanntes Earthship. Damit galt er vor 50 Jahren noch als Exot, heute ist er ein Pionier für nachhaltiges Bauen. 

Zurück in die Zukunft

Die Idee hinter einem Earthship ist relativ simpel: Aus vermeintlichem Abfall wie Autoreifen, Glasflaschen oder Dosen und reichlich Erde entsteht ein Haus, das sich selbst heizt, mit Strom versorgt und auf dessen Grundstück sogar eigenes Obst und Gemüse angebaut werden kann. Michael Reynolds baute seine Häuser als Schutzräume in Gegenden, die besonders oft von Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Mittlerweile stehen die autarken Häuser, die aussehen, als wären sie einem Science-Fiction-Fim entsprungen, an vielen Orten weltweit: in der Normandie, in Schottland, in Brasilien, aber auch in Deutschland: Die Ökosiedlung Tempelhof ist hierzulande einmalig.

Bei wachsender Bevölkerung, knappen Energieressourcen und teuren Rohstoffen müssen wir uns immer stärker mit der Frage auseinandersetzen, wie wir in Zukunft leben können. Wie genau funktionieren also diese futuristischen Häuser und kann auch der Tourismus davon profitieren?

Wie funktioniert ein Earthship?

Das Konzept autark, also unabhängig von Energie und Wasserversorgung zu sein, ist Hauptbestandteil der Earthships. Stell dir vor, dein Haus kann sich selbst  heizen, eigenes Wasser liefern und besteht quasi nur aus dem, was von der Gesellschaft weggeworfen wird! Wie krass ist das denn bitte?

Das Wasser wird über ein System aufbereitet und der Verbrauch optimiert, sodass Bewohner*innen knapp ein Viertel weniger verbrauchen als üblich, denn das Wasser wird bis zu viermal wiederverwendet. Das Coole daran ist, dass man trotzdem nicht auf eine warme Dusche oder sogar ein Vollbad verzichten muss, denn die Ressourcen werden intelligent genutzt. Über das Dach wird Regenwasser gesammelt und in mehreren Zyklen zum Duschen, für die Toilettenspülung und zur Bewässerung des Gartens aufbereitet.

Zudem kann ein Earthship über vorgefertigte Fotovoltaikanlagen und Windkraftsysteme eigenen Strom produzieren. Die erzeugte Energie wird dann in Batterien gespeichert und im gesamten Haus verteilt. Und wie wird eigentlich geheizt und gekühlt? Die Earthships zeichnen sich durch eine besondere Bauweise aus, bei der weder Heizung noch Klimaanlage benötigt werden. Die Südseite der Häuser ist meistens komplett verglast, um Wärme zu speichern. An der Nordseite wird thermale Masse (sehr dichtes Material, das Wärme speichert) zum Isolieren verwendet.

Das erste autarke Hotel der Welt

Mitten in der spanischen Wüste, nicht weit von Granada entfernt, steht das erste autarke Hotel der Welt. DistrictHive ist ein luxuriöses Tiny Home, das vom Look eher auf den Mars passen würde als auf unsere Erde. Das CO2-neutrale Eartship ist komplett unabhängig von externen Versorgungsanschlüssen, es kann selbst Wasser aufbereiten, Strom herstellen und Abfall verwerten. Selbst wenn die Sonne mal nicht scheint, schaffen es die Batterien vier Tage lang, das Haus mit Strom zu versorgen. Insgesamt 250 Liter Wasser werden täglich aus der Luft aufbereitet, der Abfall wird in Asche umgewandelt.

Damit nicht genug: Das gesamte Minihotel ist über eine Künstliche Intelligenz gesteuert. Das Licht, die Türöffnung, die Temperaturregelung und die Fernsehbedienung werden ausschließlich über eine eigene App reguliert. Du kannst das futuristische Minihotel sogar selbst erleben, eine Übernachtung kostet für zwei Personen ab 390 Euro. Wir haben es sogar mal selbst ausprobiert und berichten von dem futuristischen Erlebnis in diesem Artikel. 

Das DistrictHive ist momentan eines der ersten Projekte im Tourismus, bei dem du selbst erleben kannst, wie man autark Urlaub macht. Hoffentlich wird es in Zukunft immer mehr solcher Projekte geben., um Reisen und Hotels auch in Zukunft zu ermöglichen.

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