Das magische Kirgistan mit WeRoad – die 11 besten Tipps
Schon lange hat mich kein Reiseziel mehr so umgehauen wie Kirgistan. Zwischen surrealen Hochplateaus, schneebedeckten Gipfeln mächtiger 5000er, endlosen Weiten und berühmten kirgisischen Pferden habe ich mein Herz an dieses Land verloren. Und dann sind da noch die unglaublich gastfreundlichen Menschen, die uns immer wieder an ihren Tisch gebeten und uns einen Einblick in ihren Alltag gegeben haben. Noch ist Kirgistan bei vielen Reisenden kaum bekannt – und genau das macht einen Teil seines besonderen Reizes aus. Das zentralasiatische Land ist wie gemacht für echte Abenteuer: Hier warten spektakuläre Landschaften, abgelegene Bergseen, nomadische Traditionen und Erlebnisse, die du so schnell nicht wieder vergessen wirst.
Viele dieser Orte liegen allerdings weit abseits der üblichen Reiserouten und sind nicht ganz einfach zu erreichen. Gerade deshalb hat es sich für uns gelohnt, Kirgistan in einer Gruppe zu bereisen. Neun Tage waren wir mit WeRoad unterwegs und haben dabei nicht nur die großen Highlights des Landes entdeckt, sondern sind tief in abgelegene Regionen vorgedrungen, die wir auf eigene Faust vermutlich nicht erreicht hätten. Und ganz nebenbei haben wir mit einer Gruppe von Menschen, die genauso abenteuerlustig waren wie wir, jede Menge unvergessliche Momente gesammelt.
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1 Erkunde die quirlige Hauptstadt Bischkek
Rund jeder fünfte Einwohner Kirgistans lebt in der Hauptstadt Bischkek. Und so ist die mit Abstand größte Stadt des Landes nicht nur Sitz der Regierung, sondern auch das pulsierende Herz des sonst von seinen gewaltigen Gebirgszügen geprägten Landes. Zwischen imposanter sowjetischer Architektur mit ihren breiten Alleen, eindrucksvollen Plätzen und unzähligen Statuen findest du hippe Cafés genauso wie traditionelle Restaurants, moderne Kunstgalerien genauso wie spannende Geschichtsmuseen. Der wohl beste Ort, um ins kirgisische Leben einzutauchen – und gleichzeitig Souvenirs aller Art zu shoppen – ist der Osh-Basar. Von frisch gebackenem Brot und lokalen Spezialitäten über traditionelle Kleidung bis hin zu vielleicht nicht ganz echten Adidas-Trainingsanzügen findest du hier wirklich alles, was du eventuell suchen könntest. Bei der WeRoad-Reise haben wir uns als Gruppe entschieden, gleich am ersten Tag eine Stadtführung zu machen. Dabei haben wir jede Menge spannende Details über Bischkek erfahren und gleichzeitig die Gelegenheit genutzt, uns als Gruppe schon einmal kennenzulernen, bevor es abends zum Welcome Dinner ging.
2 Fühle dich im Konorchek-Canyon wie auf dem Mars
Nur etwas mehr als zwei Stunden Autofahrt von Bischkek entfernt erwartet dich das erste eindrucksvolle Naturhighlight deiner Kirgistan-Rundreise: der Konorchek-Canyon. Die irren, tiefroten Felsformationen scheinen wie aus einer anderen Welt. Seine intensive Farbe erhält der Canyon durch stark eisenhaltige Mineralien im Gestein, die an der Luft oxidieren – vereinfacht gesagt: Der Fels rostet. Beim Besuch des Canyons kannst du der Route rund sechs Kilometer hinein in die Schlucht und hinauf auf ein Hochplateau folgen, bevor es auf demselben Weg wieder zurückgeht. Wenn du mit dem Auto anreist, befindet sich der Parkplatz kurz hinter den Bahngleisen. Auch öffentliche Busse fahren von Bischkek hierher. Sei allerdings vorsichtig, wenn es geregnet hat: Dann kann sich der lehmige Boden schnell in ein ziemlich rutschiges Schlammfeld verwandeln.
3 Mache einen Stopp am Burana-Turm
Als Land mit nomadischer Vergangenheit gibt es in Kirgistan nur wenige klassische Sehenswürdigkeiten, die du außerhalb der Städte besuchen kannst. Umso mehr lohnt sich ein Stopp am Burana-Turm, der rund 80 Kilometer von Bischkek entfernt liegt und der erste Halt unserer WeRoad-Rundreise war. Der rund 25 Meter hohe und inzwischen ganz schön schiefe Backsteinturm stammt aus dem 11. Jahrhundert und war einst Teil der mittelalterlichen Stadt Balasagun, eines wichtigem Zentrums an der Seidenstraße. Heute ist von Balasagun nur noch wenig erhalten. Rund um den Turm kannst du zwischen den Überresten der alten Stadt und zahlreichen sogenannten Balbals, historischen Steinstelen und Gedenksteinen, herumspazieren. Wenn du schwindelfrei bist, solltest du außerdem unbedingt die schmale Wendeltreppe im Inneren des Turms hinaufsteigen – die ist allerdings wirklich sehr eng.
4 Übernachte mit Blick auf den Issyk-Kul-See
Der Issyk-Kul ist das Meer des Binnenlands Kirgistans. Der zweitgrößte alpine See der Welt – hinter dem zwischen Bolivien und Peru liegenden Titicacasee – liegt auf rund 1.600 Metern zwischen den Bergen des Tian-Shan-Gebirges. Er ist unglaubliche 182 Kilometer lang, bis zu 60 Kilometer breit und bis zu 668 Meter tief. Je nach Wetter kannst du die schneebedeckten Gipfel der Berge auf der anderen Seite des Sees erahnen oder blickst auf einen schier endlosen Meereshorizont. Scheint die Sonne auf das Wasser, leuchtet es helltürkis und die Strände können geradezu tropisch wirken. Ziehen hingegen dunkle Wolken auf, erstrahlt der See in tiefem Blau und wirkt plötzlich beinahe mystisch. Am Nordufer des Issyk-Kul wurden zahlreiche Hotels und Ferienanlagen gebaut, während die Südküste deutlich naturbelassener geblieben ist. Auch hier führt die Straße allerdings meist recht nah am Wasser entlang und eröffnet immer wieder fantastische Ausblicke auf den See. Wir haben in einem tollen Jurtencamp direkt am Wasser übernachtet und konnten so nicht nur den Sonnenuntergang, sondern am nächsten Morgen auch den Sonnenaufgang über dem See bewundern.
5 Erkunde den Skazka-Canyon
Noch mehr rote Felsen gibt es im Skazka-Canyon – und der Name, der übersetzt so viel wie „Märchencanyon“ bedeutet, ist wirklich passend. Immer wieder lassen die verrückten Felsformationen neue Assoziationen und Bilder entstehen, die dich innehalten und schmunzeln lassen. Nadelartige Felsen ragen in den Himmel empor, immer wieder öffnen sich Fenster, durch die der Blick bis zum Issyk-Kul fallen kann. Die Wege im Canyon sind nicht ausgeschildert, sodass du dir mehr oder weniger deinen eigenen Rundweg suchen kannst. Der recht krakelige Pfad über den auch „Chinesische Mauer“ genannten Grat ist zwar anspruchsvoll, doch die Ausblicke lohnen die Mühe. Die Rundwanderung führt dich zu den schönsten Spots und dauert gut zwei Stunden.
6 Lerne die Tradition der Adlerjagd kennen
Was vielleicht zunächst nach einem sehr touristischen Programmpunkt klingt, ist tatsächlich ein spannender Einblick in die kirgisische Kultur. Die Tradition der Adlerjagd in Kirgistan ist Jahrhunderte alt – und es gibt wohl keinen besseren Weg, sie zu verstehen, als mit den Menschen zu sprechen, deren Familien sie bereits seit Generationen praktizieren. Auch wenn die Jagd mit Adlern heute nicht mehr dem Überleben dient, sondern vor allem aus Traditionsbewusstsein weitergeführt wird, ist sie für viele Menschen noch immer ein wichtiger Teil der kirgisischen Kultur. Die Jäger führen verschiedene Übungen vor, die sie beim Training ihrer Adler einsetzen, und erzählen dabei jede Menge spannende Details über die beeindruckenden Steinadler. So werden beispielsweise ausschließlich weibliche Vögel für die Jagd eingesetzt, die eine besonders enge Bindung zu ihren Besitzer*innen aufbauen. Wenn du siehst, wie sich die riesigen Tiere von ihren Menschen streicheln und kraulen lassen, bleiben kaum Zweifel am gegenseitigen Vertrauen. Und die Schnelligkeit und Präzision der Vögel im Flug aus nächster Nähe zu erleben, ist wirklich einmalig.
7 Bestaune den Sonnenuntergang am Song-Kul-See
Die WeRoad-Tour durch Kirgistan wird von einem erfahrenen lokalen Guide begleitet. Azamat, der mit unserer Gruppe unterwegs war, hatte bereits am ersten Tag angekündigt, dass der Song-Kul-See sein absoluter Lieblingsort in Kirgistan sei. Und als wir ihn kurz hinter dem 3.446 Meter hohen Kalmak-Ashuu-Pass zum ersten Mal aus dem Fenster unseres Minivans erspähten, war mir sofort klar, warum. Da tauchte er am Horizont auf: eine silberne Fläche, in der sich die umliegenden, im warmen Licht des Sonnenuntergangs getauchten Berggipfel spiegelten. Auch hier übernachteten wir in einem traditionellen Jurtencamp, wie es von den nomadischen Hirten in den Sommermonaten seit jeher genutzt wird. Nach dem gemeinsamen Essen saßen wir unter dem endlosen Sternenhimmel am Lagerfeuer und ließen die unglaubliche Stille und Weite dieser einmaligen Landschaft auf uns wirken.
8 Erlebe das mächtige Tian-Shan-Gebirge
Eine der Sachen, die Kirgistan zu einem idealen Roadtrip-Land machen, sind die spektakulären Ausblicke auf die Berglandschaften, die dich quasi die gesamte Reise über begleiten. Auf der WeRoad-Strecke passierst du immer wieder eindrucksvolle Hochgebirgspässe des Tian-Shan-Gebirges – des „Himmelsgebirges“ –, bevor es über kurvige Serpentinen wieder hinab in grüne Täler geht. Dort stehen vereinzelt Jurten zwischen grasenden Pferdeherden, Yaks und Schafen und vermitteln einen Eindruck davon, wie eng das Leben der Menschen hier noch immer mit der Natur verbunden ist. Wenn du aufmerksam aus dem Fenster schaust und auf das charakteristische Pfeifen achtest, kannst du außerdem immer wieder Murmeltiere direkt neben der Straße erspähen. Einer der schönsten Pässe, an dem wir auch Halt gemacht haben, um einen Teil der Strecke zu Fuß zurückzulegen, ist der Terskey-Torpok-Pass, auch Pass der 33 Papageien genannt. Dahinter schlängelt sich die Straße in perfekten Kurven durch die beeindruckenden Bergmassive – und bietet immer wieder neue spektakuläre Ausblicke.
9 Reite auf kirgisischen Pferden durch die Berge
Pferde sind für die Menschen in Kirgistan weit mehr als Fortbewegungsmittel – sie gehören untrennbar zur nomadischen Kultur des Landes. Als traditionelles Hirtenvolk nutzen die Menschen die ausdauernden Tiere seit Jahrhunderten zum Reiten, Jagen und Transportieren, aber auch als Nutztiere für Milch und Fleisch. Unser Guide, der selbst seit seiner Kindheit reitet, hat uns viele spannende Besonderheiten über das Verhältnis zwischen Menschen und Pferden erzählt. So bekommen die Tiere zum Beispiel keine Namen, sondern werden nach ihrer Fellfarbe bezeichnet. Und auch bei den Farben gibt es Unterschiede: Weiße Pferde werden je nach Region beispielsweise als „blau“ oder „rot“ bezeichnet. Mein persönliches Highlight der Reise war unser gemeinsamer Ausritt von unserem Camp im Tian-Shan-Gebirge hinauf zum Kel-Suu-See. Ein Großteil unserer Gruppe hatte zuvor noch nie auf einem Pferd gesessen – und trotzdem sind wir nach einer kurzen Einführung gemeinsam zu diesem Abenteuer aufgebrochen. Auf dem Rücken dieser beeindruckenden, mit der Landschaft so eng verbundenen Tiere, umgeben von strahlenden Gesichtern, gemeinsam durch die Berge bis hinauf zum See zu reiten, werde ich so schnell nicht vergessen.
10 Besuche den Kel-Suu-See auf 3.500 Metern
Der Kel-Suu-See, strahlend türkis und auf 3.500 Metern zwischen steilen Felswänden gelegen, wirkt so unwirklich, als wäre er einem Märchen entsprungen. Noch erstaunlicher ist, dass der See manchmal tatsächlich komplett verschwindet. Unser Guide erklärte uns, dass „Kel-Suu“ so viel wie „kommendes Wasser“ bedeutet und sich der Name auf dieses besondere Phänomen bezieht. Es lohnt sich also, sich vor der Anreise bei den Locals zu erkundigen, ob der See gerade gefüllt ist, bevor du den langen Weg auf dich nimmst. Was sich ebenfalls lohnt: eine Bootstour auf dem See. Vom Ausgangspunkt kannst du kaum erahnen, wie weit sich der rund zwölf Kilometer lange Kel-Suu zwischen den gewaltigen Felswänden hindurchschlängelt. Während wir staunend über das türkisblaue Wasser glitten, kreisten über unseren Köpfen mächtige Himalaya-Geier, die eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu drei Metern erreichen können. Der See ist einer der großen Höhepunkte der WeRoad-Route – und zeigt ziemlich gut, was den Reiz einer organisierten Abenteuerreise durch Kirgistan ausmacht: Du kommst an Orte, die weit abseits der üblichen Reiserouten liegen, ohne jede einzelne Etappe selbst planen und organisieren zu müssen.
11 Kirgistan gemeinsam erleben mit WeRoad
Was am Ende unserer neuntägigen Tour durch die Weite Kirgistans bleibt, ist nicht die Erinnerung an einzelne Orte. Es ist das Gefühl, gemeinsam ein echtes Abenteuer erlebt zu haben. Die langen Fahrten durch die Berge, die Nächte in den Jurten, die Abende am Lagerfeuer und das Lachen auf dem Rücken der Pferde. Wir haben Autopannen gemeinsam durchgestanden und feucht-fröhliche Abende zelebriert. Auf einer Reise wie dieser wächst eine Gruppe schnell zusammen. Man erlebt gemeinsam Landschaften, die man wahrscheinlich nie vergessen wird, sitzt stundenlang im Minivan, kämpft sich zusammen Berghänge hinab und schlägt sich durch das verwirrende Angebot der lokalen Supermärkte. Genau darin liegt für uns der besondere Reiz des WeRoad-Konzepts: Du kannst allein anreisen und bist trotzdem nicht allein unterwegs. Organisiert wird die Reise von einem sogenannten Travel Coordinator. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Reiseleitung, die die Gruppe von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit führt, sondern um eine mitreisende Person, die die Reise vor Ort koordiniert, bei organisatorischen Fragen hilft und dafür sorgt, dass die Gruppe gut durch die einzelnen Etappen kommt. So musst du dir um die Route und die Orga keinen Kopf machen und es bleibt genug Raum für spontane Abenteuer.
Anthea Schaap