Immer am Wasser entlang: der Rund-um-Rügen-Radweg

© Anthea Schaap

Zartrosa Wolken spiegeln sich auf dem Greifswalder Bodden. Die Landung eines Kormorans zieht langsame Kreise auf dem Wasser. Ich atme die frische Morgenluft tief ein und beginne, meine Schultern zu lockern, um mich für den bevorstehenden Tag zu wappnen: Es ist der letzte Morgen meiner Radtour auf dem Rund-um-Rügen-Radweg. Einerseits bin ich traurig, Deutschlands größte Insel den Rücken zuzukehren, andererseits bin ich so voller Eindrücke der letzten fünf Tage, dass ich gar nicht weiß, wie ich noch mehr aufnehmen sollte.

Knapp 300 Kilometer werde ich heute hinter mich gebracht haben, wenn ich mit dem Rad auf dem Rügendamm rolle. Ich bin an endlosen Stränden und steilen Klippen vorbeigeradelt, die Route hat mich durch verwunschene Wälder und frisch abgeerntete Felder geführt, ich habe geschwitzt und getropft, gestaunt und geflucht und kann dir sagen – der Rund-um-Rügen-Radweg ist eine Tour, die du gefahren sein musst!

Alle Infos zum Rund-um-Rügen-Radweg

Die erste Etappe: Altefähr bis Ummanz

Die Tour beginnt für mich so richtig im Hafen von Altefähr, wo die in der Sonne glitzernden Türme der Stralsunder Skyline mir den ersten von so vielen wunderbaren Wasserblicken bieten. Und dann geht’s auch schon ab in die Natur: Direkt an der Küste entlang hast du den Kubitzer Bodden auf der einen und die Felder Rügens auf der anderen Seite. Die Strecke ist die perfekte Einstimmung auf die kommenden Tage: Du strampelst die sanften Hügel hinauf und rollst sie mit dem Fahrtwind im Gesicht wieder hinab – mal über Feldwege, mal auf perfektem Asphalt, durch kleine Waldstücke, Dörfer oder ganz allein in der Natur.

Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
© Anthea Schaap
Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
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Weil ich aufgrund meiner Anfahrt aus Berlin erst am Nachmittag auf Rügen angekommen bin und es zunächst entspannt angehen will, führt mich die erste Etappe nur bis auf die Halbinsel Ummanz. Hier schlage ich mein Zelt auf und verstehe bei meinem Sundowner direkt, warum die Insel auch „Sunset Island“ genannt wird – der Sonnenuntergang muss sich vor denen auf Mittelmeerinseln wahrlich nicht verstecken!

Ein feucht-fröhliches Vergnügen

Der zweite Tag versprach ereignisreich zu werden: Die Route führt durch den hübschen Ort Gingst mit seinen kleinen Läden voller regionaler Produkte bis nach Schaprode, bekannt für seine Fachwerkhäuser und den tollen Blick auf Hiddensee. Von hier geht es weiter auf einem top ausgebauten Weg immer am Wasser entlang zur Wittower Fähre, die mich auf die Wittower Halbinsel bringen wird, wo ich endlich das Meer sehen werde. Soweit der Plan.

Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
© Anthea Schaap
Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
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Leider hat mir das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht und statt toller Ausblicke, netter Kaffeestopps und dem langersehnten Sprung in die Ostsee hat mich ein siebenstündiger Kampf durch unerbittlichen Dauerregen erwartet. Auch wenn es bekanntlich kein falsches Wetter gibt – ich hätte es mir anders gewünscht und bin unendlich froh, dass zumindest zum abendlichen Zeltaufbau der Regen eine kleine Pause einlegt.

Endlich echtes Ostseefeeling

Doch der nächste Morgen begrüßt mich glücklicherweise mit rosaroten Wolken und sogar schon fleckenweise Blau! So kann ich die Schönheit des schier endlosen Nordufers und die Fahrt durch den Märchenwald Richtung Gellort – dem nördlichsten Punkt Rügens – so richtig genießen. Ich empfehle auf jeden Fall, hier etwas Zeit einzuplanen und die tolle Küste zu genießen. Denn so eindrucksvoll die Steilküste ab dem Kap Arkona auch ist – mehr Ruhe und Natur findest du an der Nordseite der Insel.

Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
© Anthea Schaap
Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
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So richtig Sommerurlaubs-Feeling kommt bei der Strecke entlang der Strände von Schaabe und Glowe auf. Da wünschte ich fast, ich hätte jede Menge Zeit und einen Sonnenschirm dabei. Aber auf mich wartet heute noch ein anderes Rügen-Highlight: der Nationalpark Jasmund mit seinen einfach unfassbar schönen Buchenwäldern und natürlich dem Blick auf die berühmten Kreidefelsen. Der Besuch des Nationalpark-Zentrums lohnt sich auf jeden Fall – die Ausstellungen sind toll gemacht und der Skywalk am Königsstuhl ist einmalig. Voller Eindrücke und, ehrlich gesagt, ganz schön erschöpft, mache ich abends dann noch einen Bummel durch die pittoreske Altstadt von Sassnitz, bevor ich wohlverdient auf meine Isomatte plumpse.

Von mondänen Bäder in die abgelegene Natur

So spektakulär, wie der letzte Tag aufgehört hat, fängt dieser an! Ich erkunde die Überreste des unvollendeten KdF-Seebads Prora. Der Kontrast zwischen den Ruinen, den Gebäuden im DDR-Zustand und den nagelneu hergerichteten Apartmentblöcken macht die lange Geschichte Rügens als eines der beliebtesten deutschen Ausflugsziele lebendig! Wenn du mehr darüber wissen möchtest, besuch unbedingt das Dokumentationszentrum. Direkt an Prora liegt auch das Naturerbe Zentrum Rügen mit seinem wunderbaren Baumwipfelpfad. Den Blick vom 40 Meter hohen Adlerhorst über die Insel solltest du nicht verpassen.

Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
© Anthea Schaap
Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
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Eigentlich würde Prora völlig für einen Tag reichen, aber leider muss ich morgen schon zurück nach Berlin und so habe ich noch einen weiten Weg vor mir: Mit viel zu wenig Zeit radle ich auf die Halbinsel Mönchgut, wo ich nur eine Stippvisite am Traumstrand von Lobbe und eine Verpflegungspause auf dem Rügenmarkt einlegen kann, bevor ich durch die Bullerbü-Orte der südlichen Küste bis nach Zudar weiter muss. Ich würde dir raten, hier auf jeden Fall einen Tag mehr einzuplanen, um die tolle und verhältnismäßig ruhige Gegend voll genießen zu können!

Die letzen Meter Inselglück

Die Halbinsel Zudar wird bei vielen Rügen-Besuchen zu Unrecht ausgelassen, und so nehme ich mir am letzten Morgen zumindest die Zeit, mich auf diesem Idyll ein wenig umzusehen. Trotz des starken Windes, der richtige Wellen an den Strand wirft, fahre ich zum südlichsten Punkt Rügens, dem Palmer Ort – ein abgelegener, wilder und wirklich besonderer Strand. Auch die kleinen Orte auf Zudar mit ihren reetgedeckten Fachwerkhäusern strahlen eine ganz besondere Ruhe aus.

Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
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Doch ich habe einen Zug zu erwischen und so lasse ich die letzte Rügeninsel hinter mir und nehme Kurs auf Altefähr. Eine gut ausgebaute Asphaltstraße führt durch die Felder und lässt mir Zeit und Ruhe, die vielen Eindrücke der letzten Tage Revue passieren zu lassen, bevor sich die Runde schließt und ich die in der Sonne glitzernden Türme von Stralsund wieder am Horizont entdecke und meine aufregende reise auf dem Rund-um-Rügen-Radweg zu ihrem Ende kommt.

Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Rund-um-Rügen-Radweg
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