Belgrad – 11 Tipps für die serbische Hauptstadt an der Donau

Belgrad, das wirkt an vielen Ecken und in einigen Momenten wie ein Berlin der 80er oder 90er Jahre. Ein bisschen stehen gebliebene Zeit, ein bisschen Trubel und dennoch entspannt. Doch Belgrad wandelt sich und wird auch bei Touristen immer beliebter. In der serbischen Hauptstadt leben mittlerweile rund 1,7 Millionen Einwohner. Hier lässt sich keiner stressen, sodass man zum Entspannen und Urlaub genießen gezwungen wird. Das gilt in der weißen Stadt – wie "Beograd" auf serbisch bedeutet – aber eigentlich nur tagsüber. Abends ist die Stadt super lebendig, Party machen lässt sich hier an jedem Abend. Am beliebtesten dafür sind neben der Bars in der Stadt die sogenannten Splavs: riesige Flöße, die sich entlang der beiden Flüsse Sava und Donau reihen. Ein Partyboot neben dem nächsten. Und wenn dann die Nacht wieder zum Tag wird, erkennt man bei einer Stadtbesichtigung auch vielfach die Spuren der NATO-Angriffe.

Doch die Belgrader machen weiter. Es wird gebaut, renoviert, kreative Viertel entstehen, Bars und Restaurants, die mit jedem hippen Ort aus Berlin mithalten könnten, bieten Einheimischen und Touristen eine Möglichkeit das Leben außerhalb der eigenen vier Wände zu erleben. Mit unseren elf Tipps geben wir einen Überblick für einen Städtetrip in die serbische Hauptstadt.

BELGRAD – GUT ZU WISSEN

BELGRAD – DIE BESTEN TIPPS

1
Belgrad Serbien Smokvica

© Rebecca Hoffmann Gemütlich schlafen und serbisch essen im Smokvica Molerova

Das Smokvica ist eine entspannte Bed-and-Breakfast-Hotelkette mit Restaurants, die in der ganzen Stadt diverse Locations hat. Etwas ruhiger im Viertel Vračar gelegen, liegt das Smokvica Molerova. Zur Innenstadt ist es etwas weiter zu Fuß, dafür kann man von hier aus den Bauernmarkt Kalenic und das Nikola-Tesla-Museum gut erreichen. Die Zimmer sind hell und ruhig, das Restaurant serviert Gerichte mit Gemüse und Fleisch vom eigenen Bauernhof in Nordserbien. Auf der Karte angeboten werden internationale Küche wie Shakshuka, Philly Sandwich und Burger. Und da rauchen in Serbien noch nicht überall verboten oder reguliert ist, hat das Restaurant einen Raucherbereich, der nicht vom Nichtraucherbereich separiert ist. Wem das zu viel ist, der kann auch draußen auf der riesigen Terrasse eine hausgemachte Zitronenlimonade, auf Wunsch auch zuckerfrei, genießen.

2
Belgrad Serbien

© Rebecca Hoffmann Belgrad auf dem Fahrrad entdecken

Was auffällt in Belgrad? Es gibt eine Vielzahl an Autos, Bussen und Trams, aber kaum Fahrräder. Dabei bietet sich die recht flache Stadt für eine Erkundung mit dem Zweirad auf jeden Fall an. Aber, wie unser serbischer Guide Simon erzählte, ist Radfahren noch immer nicht angesehen bei den Belgradern und gilt als etwas, das eigentlich nur arme Leute machen. Radwege gibt es daher kaum, man fährt oftmals einfach auf dem Fußgängerweg, was aber niemanden so richtig zu stören scheint. Und nach einer Tour mit Simon können wir so eine Radtour nur jedem empfehlen. Man kommt viel besser voran, auch wenn die weiße Stadt sich größtenteils zu Fuß erleben lässt. Die Altstadt und die Festung werden erklommen, über eine Brücke geht es über den Fluss Save weiter ins Viertel Neu-Belgrad, das mit kommunistischer Architektur besticht. Wir entdecken an vielen Ecken Street Art mit oftmals politischer Message, bevor es mit Rad und Boot rüber zur Flussinsel Ada Ciganlija zum Dinner geht. Es ist das perfekte Erlebnis für einen ersten Besuch und Einstieg in die Balkanmetropole. Simon ist Ur-Belgrader und kennt alles. Wer lieber längere Touren oder an der Donau entlang will, kann dies auch anfragen.

3
Belgrad Serbien Kabinet

© Rebecca Hoffmann Craft Beer aus Serbien bei Kabinet trinken

Ja, die Serben lieben wie die Deutschen ihr Bier. Aber bislang eher nur die großen Marken. Die Craft-Szene ist noch recht jung. Eine der bekannteren Brauereien ist Kabinet. Etwas außerhalb, aber dennoch zu Belgrad gehörend befindet sich ihre Brauerei und die Reise ist es wert. Zur Brauerei, die man auch besichtigen kann, gehört ein Restaurant, das ausgezeichnete serbische Küche passend zum Bier serviert. Und die Brauer von Kabinet sind fleißig und experimentierfreudig. Daher gibt es eine große Auswahl an den verschiedensten Bieren, deren Label jeweils von anderen lokalen Künstlern gestaltet werden. Da ist die Qual der Wahl hoch. Lieber nach Geschmack oder Etikett kaufen? Die Biere wurden in der vergangenen Zeit immer wieder zu den besten Craft-Bieren Serbiens gekürt. Die eigentliche serbische Craft-Szene ist aber laut Auskunft eher in Novi Sad anzutreffen.

4
Belgrad Serbien

© Rebecca Hoffmann Handgemachtes aus Keramik bei Gallery 1250° im Design District shoppen

Die etwas anderen Souvenirs für die Heimat lassen sich im Design District in Belgrad finden. Kein Viertel, mehr eine Art alternative Shopping-Straße mit kleinen Geschäften, etwas versteckt aber in der Nähe der berühmten Einkaufsstraße Knez Mihailova ulica. Hier gibt es jede Menge Geschäfte mit lokalen Brands. Eines, das herausragt ist Gallery 1250°. Ein lokales Künstlerkollektiv verkauft hier handgemachtes Geschirr, Schmuck und Sonstiges aus Porzellan. Meistens ist auch einer der Künstler anwesend und kann daher noch genauer über die Produkte informieren. Die Preise sind vom jeweiligen Künstler abhängig, überteuert ist hier jedoch keines der Einzelstücke. Besonders gut gefallen haben uns die Ohrringe aus handbemalten und -geformtem hauchdünnem Porzellan. Gegenüber liegt direkt der Gewürzladen Spice up, das Naturkosmetikgeschäft All Nut und die Wunderkammer, bei der man gefundene, gesammelte und eigens angefertigte Produkte wie Tassen, Teller, Plakate und Kunstdrucke erstehen kann.

5
Belgrad Serbien zeptermuseum

© Rebecca Hoffmann Moderne serbische Kunst anschauen im Zepter Museum

Wenn ein Museum Geburtstag feiert, dann kann es vorkommen, dass man auch schon mal Luftballons in eben diesem verteilt. Die lenken aber glücklicherweise nicht von der gezeigten Kunst ab. Dabei ist das Zepter Museum ein besonderes. Denn wer aufmerksam durch Belgrad läuft, wird feststellen, dass gefühlt jedes zweite Geschäft oder Gebäude den Namen Zepter in sich trägt. Philip Zepter (eigentlich: Milan Janković) ist einer der erfolgreichsten Unternehmer serbischer Herkunft. Dessen Frau Madlena eröffnete am 1. Juli 2010 das erste private Kunstmuseum Serbiens – das Zepter Museum. Ausgestellt werden auf drei Etagen Kunstwerke serbischer Künstler aus dem 20. Jahrhundert. Der größte Teil der 400 Werke ist dauerhaft zu sehen, es gibt aber auch temporäre Ausstellungen. Das Praktische: Das Museum liegt perfekt in der Einkaufsstraße und bietet sonntags, wie fast alle Museen Belgrads, kostenlosen Eintritt. Eines bleibt zu sagen: Die Kunstsammlung ist beeindruckend und präsentiert wahrlich spannende Werke.

6
Belgrad Serbien Festung

© Rebecca Hoffmann Malerische Aussicht und die Geschichte Belgrads auf der Festung erleben

Die Festung von Belgrad ist eine Sehenswürdigkeit, die man nicht auslassen sollte, auch wenn man ansonsten nicht viel für klassische Sehenswürdigkeiten übrig hat. Sie liegt an der Mündung der Save in die Donau und bietet somit einen einzigartigen Blick nach Neu-Belgrad und hin zum architektonisch spannenden Genex-Turm. Das Gelände der im 15. Jahrhundert errichteten und im 17. und 18. Jahrhundert ausgebauten Festung kann man rund um die Uhr betreten. Es lässt sich hier wunderbar spazieren und den Sonnenuntergang genießen. Damit ist man zwar nicht allein, aber der Blick entschädigt für die Touristen und Einheimischen, die es einem gleichtun. Auf dem Areal des historisch strategisch wichtigen Monuments befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten und Museen, sowie Restaurants und Cafés. Wir empfehlen den Sonnenuntergang zu genießen und dann in Richtung des angesagten Viertels Dorćol zum Dinner oder für ein paar Drinks zu schlendern.

7
Belgrad Serbien SASA

© Rebecca Hoffmann Serbische Kunst in der SASA Galerie betrachten

Neben all dem Konsum-Optionen, befinden sich auf Belgrads berühmtester Einkaufsstraße auch einige Galerien. Die serbische Akademie der Wissenschaften und Künste ist hier ansässig und stellt in der dazugehörigen Galerie (SASA Galerie) unterschiedlichste moderne Kunst aus. Und das Gute: Das Gezeigte kann hier kostenlos und sogar bis in den späteren Abend angeschaut werden. Belgrad scheint ein Zentrum für die Kunst aus dem Balkan zu sein und so sollten gerade Kunstinteressierte die serbische Stadt auf ihre Bucket-List setzen. Für alle, die der serbischen Sprache nicht mächtig sind, gibt es auch einige Informationen zur jeweiligen Ausstellung auf Englisch. Übrigens gilt hier eigentlich ein Fotografie-Verbot. Also die Kamera oder das Smartphone in der Tasche lassen und die Kunst und den Moment einfach mal pur genießen.

8
Belgrad Serbien yugovinyl

© Rebecca Hoffmann Platten hören und Kaffee trinken im Yugovinyl

Ein schönes Mitbringsel sind Platten. Daher empfiehlt sich ein Besuch bei Yugovinyl, das leicht versteckt auf einem recht großen Innenhof mit jeder Menge anderer Bars und Restaurants liegt. Also keine Scheu am Toreingang. Yugovinyl, das ist nicht nur ein Plattenladen, sondern auch Café und lädt somit zum Verweilen ein, auch wenn hier drin geraucht werden darf. Zu den Platten: Natürlich gibt’s Aktuelles, aber auch jede Menge serbische Musik und Musik aus dem gesamten Balkan zu entdecken. Vielleicht ist ja etwas dabei, dass selbst zu Hause dann an Serbien und Belgrad denken lässt. Ganz preiswert waren die Platten hier allerdings nicht, obwohl Serbien ansonsten recht günstig für deutsche Einkommensverhältnisse ist. Die leicht verschrobenen Besitzer helfen sicher gerne weiter, das ein oder andere Juwel zu finden.

9
Belgrad Serbien kcgrad

© Rebecca Hoffmann Mit der kreativen Szene abhängen im Kulturzentrum Grad

Unweit der Fußgängerzone liegt im Viertel Savamala gelegen das 2009 eröffnete Kulturzentrum Grad (Kulturni Centar Grad) in einem etwas heruntergekommenen Gebäude. Savamala ist ein Bezirk, den man im Blick halten sollte, denn er befindet sich im Wandel und beherbergt die kreative Szene Belgrads, so dass hier immer mehr Bars und Kreative sich niederlassen. Im KC Grad gibt es immer wieder wechselndes Programm und verschiedenste Ausstellungen. Berghain-Türsteher und Künstler Sven Marquardt zählt zu so etwas wie den Hausgästen und hat bereits hier seine fotografischen Arbeiten präsentiert. Und weil die Sommer heiß sind in Belgrad, gibt’s natürlich auch einen entspannten Außenbereich mit Bierbänken.

10
Belgrad Serbien

© Rebecca Hoffmann Einkaufsbummel auf der Fußgängerzone Knez Mihailova ulica

Fast jede Stadt hat sie. Die eine große Fußgängerzone in der Altstadt (serbisch: Stari Grad), an der sich das Leben abspielt. Hier in Belgrad auf der Knez Mihailova ulica sind nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische unterwegs, so dass es immer ein buntes, aber dennoch entspanntes Treiben ist. Dabei ist die Belgrader Prachtstraße von einem Mix aus Altbauten aus dem 19. Jahrhundert und teilweise sozialistischem Bau geprägt. Alle paar Meter sieht man kleine Popcorn-Buden, deren Duft durch die Straße zieht, sodass man spätestens bei der dritten Bude nachgibt und den salzigen Snack für wenige Dinar kauft. Außerdem gibt es die gängigen internationalen Brands und lokale Geschäfte. Hinzukommen eine Vielzahl an Cafés und Restaurants und außerdem das Zepter Museum sowie verschiedene Galerien. Um alles zu sehen, bräuchte man wohl einen ganzen Tag, aber keine Sorge an der Fußgängerzone kommt man immer wieder vorbei. Wer sich für Souvenirs interessiert, sollte bei Belgrade Window, das sich direkt am Anfang befindet, vorbeischauen.

11
Belgrad Serbien Kirche Markus

© Rebecca Hoffmann Momente der Stille genießen in der Kirche des heiligen Markus

Die Kirche des Heiligen Markus ist eine von Belgrads eher klassischen Sehenswürdigkeiten. Das im neobyzantinischen Stil errichtete Gebäude aus den 1930er Jahren hat nicht nur eine interessante Fassade, sondern auch ein spannendes Inneres. Es lohnt sich, kurz inne zu halten, die Kirche zu betreten und Stille und Kühle zu genießen. Die Deckenhöhe ist beeindruckend. Erstaunlicherweise ist es aber trotz der besonderen Fassade kein allzu großer Touristenmagnet. Wer noch mehr Ruhe und Entspannung braucht, kann nach einem Besuch der Kirche eine Pause im Tašmajdan-Park einlegen.

Diese Reise wurde von der Nationalen Tourismusorganisation Serbiens unterstützt.

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