Bosnien und Herzegowina – 11 Orte, die ihr in dem Balkanland gesehen haben müsst

Wenn ich Freunden und Kollegen erzähle, dass ich den (Süd-)Osten Europas und vor allem den Balkan spannend finde, antworten die meistens nur mit einem Augenrunzeln oder der Frage, was ich denn ausgerechnet da wolle. Als ich zuletzt nach Bosnien und Herzegowina in den Urlaub fuhr, waren die meisten schlicht gar nicht daran interessiert – bis sie meine Fotos aus dem ex-jugoslawischen Land sahen. Wo viele noch vom Balkan- und Bosnien-Krieg zerbombte Städte vermuten, wurden viele Altstädte wie in Sarajevo und Mostar wieder aufgebaut und ergeben vor allem durch die vielen Moscheen ein pittoreskes Bild. Dazu blüht die Natur hier in einem Maße, als wolle sie für all die zerstörten Regenwälder auf der Welt gut machen. Das Land ist durchzogen von Flüssen und Canyons und beheimatet mit dem Perucica-Wald im Südosten den letzten Dschungel in Europa. Wenn ihr eines der schönsten Länder Europas erkunden wollt, dann schnappt euch ein Auto und freut euch über ein vom Massentourismus noch unberührtes Land.

BOSNIEN UND HERZEGOWINA – GUT ZU WISSEN

DIE BESTEN TIPPS FÜR BOSNIEN UND HERZEGOWINA

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bosnien und herzegovina, mostar

© Charlott Tornow Durch die Altstadt von Mostar flanieren

Mostar ist neben der Hauptstadt Sarajevo die vielleicht bekannteste und auf jeden Fall schönste Stadt in Bosnien und Herzegowina und vor allem auch bei Tagestouristen aus Kroatien beliebt. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist die Brücke Stari most, die die Neretva überspannt und als Symbol für die Verbindung zwischen Ost und West, Christentum und Islam und katholischen Kroaten und orthodoxen Serben gilt. Sie wurde 1993 im Bosnienkrieg zerstört, danach wiederaufgebaut und ist mittlerweile Weltkulturerbe. Aber nicht nur die Stari most solltet ihr bei einem Besuch besichtigen. Sehenswert ist auch das Muslibegovic House aus Zeiten der osmanischen Herrschaft. Mostar liegt übrigens direkt in einem Talkessel zwischen den Bergmassiven Velež und Čabulja. Im Sommer klettern die Temperaturen hier auf über 40 Grad, Hitzeempfindliche sollten also nicht im Juli und August hier herkommen.

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bosnien und herzegovina, mlincici

© Charlott Tornow Besuch der alten Wassermühlen von Mlinčići

Ein märchenhafter Ort sind die alten Wassermühlen von Mlinčići. Die durch kleine Stege verbundenen Holzhütten stammen noch aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Herrschaft und wurden direkt an einem Strom aus kleinen Flüsschen gebaut. Die hier lebenden Farmer stellten so aus Weizen Mehl her. Heute sind die Mühlen nicht mehr in Betrieb, dafür hat man mit dem angrenzenden Wald und dem Plivsko-See das Gefühl, mitten im Land der Trolle angekommen zu sein. Wer sich an einem heißen Tag abküssen will, springt vom nahe gelegenen Steg direkt in den glasklaren See.

3
bosnien und herzegovina, kravica wasserfälle

© Charlott Tornow Am Fuße der Kravica Wasserfälle baden gehen

"Oasis in stone" lautet der Leitspruch auf der Website der Kravica Wasserfälle und in der Tat muss so wohl das Paradies aussehen. 120 Meter breit ist der bewaldete Hang, an dem der Fluss Trebižat 28 Meter in die Tiefe fällt und einen kristallblauen See formt. Das gesamte Areal rund um die Wasserfälle steht unter Naturschutz; so könnt ihr nur in einem abgetrennten Bereich des Sees schwimmen und auch nicht an dem Hang des Wasserfalls klettern. Der See und die Wasserfälle sind eine der beliebtesten Attraktionen in Bosnien und Herzegowina und auch aufgrund der Nähe zum touristischen Kroatien im Sommer sehr gut besucht – das Paradies habt ihr also nicht für euch allein.

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bosnien und herzegovina, blagaj derwisch tekke

© Charlott Tornow Das außergewöhnliche Derwischkloster in Blagaj besuchen

Einer der schönsten und friedlichsten Orte in Bosnien und Herzegowina ist das Derwischklsoter in Blagaj. Das muslimische Gebetshaus der Sufi-Bruderschaft wurde bereits im 18. Jahrhundert direkt am unteren Ende einer 200 Meter hohen Felswand gebaut, genau dort, wo die Buna entspringt und in einen kleinen Wasserfall mündet. Der Anblick ist magisch! Das Kloster wurde in den letzten 400 Jahren durch herabstürzende Felsbrocken mehrmals zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Bei einem Rundgang könnt ihr ins Innere des minimalistisch eingerichteten Hauses schauen und das Leben der Bruderschaft nachvollziehen. Geht bei einem Besuch von Blagaj unbedingt ins Restoran Mlinica essen und probiert das Lamm. Und wenn ihr schon hier seid, solltet ihr die Überreste der Festung Stjepan grad besuchen, die 200 Meter über dem Derwischkloster thront.

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bosnien und herzegovina, bledinje restaurant

© Charlott Tornow Richtig gut Bosnisch essen im Gasthaus Hajdučke vrleti

Allein für die obskure Geschichte hinter dem Hajdučke vrleti, das 1999 mitten im Blidinje Nature Park eröffnete und sowas wie ein Geheimtipp in Bosnien und Herzegowina ist, sollte man das Gasthaus besuchen. 2002 wurde hier die inoffizielle "Hajduk Republic of Mijat Tomić" gegründet, in der es verboten ist, einer Partei anzugehören oder über Politik zu sprechen. Seit 2003 gibt es außerdem das jährliche Event "Tell a good lie and stay alive". Fernab dessen kann man in dem Hotel und Restaurant für schmales Geld in schlichten Zimmern übernachten oder fantastische bosnische Küche genießen. Hier wird alles – vom Käse über das Brot bis hin zu den Würsten – selbst mit regionalen und saisonalen Zutaten zubereitet, sodass das Menü immer wieder wechselt.

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bosnien und herzegovina, sarajevo

© Charlott Tornow Sarajevo: die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina entdecken

Bosnien und Herzegowinas Hauptstadt Sarajevo ist ein Muss auf jeder Reise durch das Balkanland. An einem Tag kann man gut die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt entdecken, wer mag, bleibt länger und taucht tiefer in die Geschichte der Stadt ein. Am besten beginnt ihr euren Spaziergang an der Lateinerbrücke, an der am 28. Juni 1914 der Erzherzog Franz Ferdinand ermordet wurde, was den 1. Weltkrieg auslöste. Alles über die jüngste Geschichte rund um den Balkankrieg lernt ihr in der Galerija 11/07/95. Baščaršija ist das alte historische Zentrum Sarajevos, heute bezeichnet es das gesamte osmanische Marktviertel, das durch seine vielen kleinen Gassen und Marktstände bezeichnet. Die beste Aussicht auf die Stadt habt ihr von der Gelben Bastion aus – die weniger eine Festung, als nur ein Aussichtspunkt ist, und dem nahe gelegenen Café Kamarija.

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© Charlott Tornow Outdoor-Sport auf der Hochebene des Blidinje Nature Park

Wenn man die Straße von Jablanica aus in den Blidinje Park nimmt, dann verändert sich die Landschaft nach und nach – wo sich vorher klare Flüsse durch grün bewaldete Schluchten schlängelten, tut sich auf einmal eine weitläufige Steppe umgeben von hohen Bergen auf. Der Blidinje Nature Park ist so ganz anders als der Rest von Bosnien und Herzegowina und deswegen so besonders. Im Winter kann man hier hervorragend Ski und Snowboard fahren, im Sommer werden Touren mit dem Mountainbike oder auf dem Pferd angeboten. Im Blidinje-See, einem Bergsee der nur durchschnittlich 2 Meter tief ist, kann man im Sommer schön baden. Und auch wandern lässt es sich hier fantastisch, zum Beispiel hoch zum Hajducka vrata, einer kreisrunden Felsformation auf 2000 Metern Höhe.

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bosnien und herzegovina, jajce

© Charlott Tornow Den Pliva Wasserfall in Jajce besichtigen

Die kleine Stadt Jajce liegt im nordwestlichen Teil von Bosnien und Herzegowina und war einst Sitz der Könige Bosniens. Wer von Norden aus in die Stadt fährt, hat eine tolle Aussicht auf die Altstadt, die auf einem Berg liegt und von den Flüssen Pliva und Vrbas begrenzt wird. Direkt am Eingang zur Altstadt befindet sich der Pliva Wasserfall, der 17 Meter in Tiefe stürzt und dort in die Vrbas mündet. Wer am Fuße des Wasserfalls steht, bekommt eine schöne Brise an heißen Sommertagen ab. Alternativ kann man den Wasserfall auch von oben besichtigen und dort ein Bad im klaren, kalten Wasser nehmen.

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© Charlott Tornow Im Plivsko jezero schwimmen gehen und eine Tour mit dem Tretboot machen

Der Plivsko jezero in der Nähe von Jajce ist einer der schönsten Seen in Bosnien und Herzegowina. Umgeben von saftig grün bewaldeten Bergen fühlt man sich hier, als wäre man im Dschungel. In der Nähe der Wassermühlen Mlinčići gibt es einen kleinen Steg, von dem aus man ins Wasser springen kann. Auf der anderen Seite lädt das hübsche alternative Café Lake House zum Chillen direkt am Wasser ein. Hier kann man sich auch zahlreiche Elektro- oder Tret-Boote ausleihen, um den See zu erkunden.

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bosnien und herzegovina, camping lav kulen valuf

© Charlott Tornow Camping und Rafting im Una Nationalpark

Wer auf der Suche nach dem schönsten Campingplatz in Bosnien und Herzegowina ist, der sollte beim Auto Kamp Lav in Kulen Valuf im Una Nationalpark Halt machen. Direkt am Fluss Una, umgeben vom Bergmassiv des Parks, könnt ihr hier die Stunden in Hängematten vergehen lassen und in der Nacht den sternenklaren Himmel beobachten. Das Gastgeberehepaar ist ungemein herzlich und brät euch zum Abendbrot für nur 5 Euro frischenFisch. Von hier aus seid ihr auch schnell an den Highlights den Nationalparks: den Wasserfällen Štrbački buk und Martin Brod. Eine Rating-Tour durch die Stromschnellen-geprägte Landschaft ist ein Muss, buchen könnt ihr bei zahlreichen Agenturen in Bihać.

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© Charlott Tornow Die Festung in Počitelj erklimmen und die Aussicht genießen

Etwa 30 Kilometer südlich von Mostar liegt die kleine Stadt Počitelj, in der gerade mal knapp 900 Menschen leben. Während der Osmanischen Herrschaft war Počitelj einst eine der modernsten Städte in der Region und hatte aufgrund seiner Lage zwischen der Küste und dem Hinterland strategische Bedeutung bei der Abwehr feindlicher Mächte. Wer auf dem Weg von Mostar zur Mittelmeer-Küste oder zu den Kravica Wasserfällen ist, kann hier einen kleinen Stop einlegen und den steilen Weg zur alten Festung nehmen. Von dort aus habt ihr eine schöne Sicht auf die Stadt, der Moschee dem Uhrenturm und dem angrenzenden Neretva-Tal.

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