Kann man noch guten Gewissens einen Winterurlaub machen?

© Rebecca Hoffmann

Vor kurzem erreichte uns eine Nachricht, mit der Frage, ob man heutzutage – in Zeiten von Klimakrise, Greta & Co. – noch mit guten Gewissen in den Winterurlaub fahren könnte. Schließlich trägt der Tourismus in der Alpenregion nicht erst seit heute zu massiven Eingriffen in den Naturhaushalt bei. Bereits in den 1980er Jahren formierte sich erster Widerstand gegen den Wintermassentourismus. Die Bewohner, die dort relativ traditionell und weitgehend in Einklang mit der Natur lebten, wurden durch den aufkommenden Bauboom im Tourismus immer weiter verdrängt. Bauernhöfe und Einfamilienhäuser wichen großen Hotels und Seilbahnen. Und auch heute werden weiter neue Regionen und Gletscher erschlossen – meist auf Kosten der einzigartigen und empfindlichen Ökosysteme in der Alpenregion.

Denn wenn ein neues Gebiet erschlossen wird, folgen dort, wo einst ursprüngliche Naturlandschaften und dichte Wälder vorzufinden waren, bald Straßen und Parkplätze und Seilbahnen. Wäre das nicht schon genug, müssen angesichts der Klimaerwärmung immer häufiger Schneekanonen eingesetzt werden, um das Landschaftsbild vom schneebedeckten Winterwunderland zu erhalten. Dabei sind Schneekanonen oftmals eine ökologische Katastrophe: Pro Hektar Kunstschnee werden in einer Saison mehr als 4.700.000 Liter Wasser benötigt, berichtet Quarks. Dieses Wasser wird Stauseen und Flüssen entnommen, das später bei der örtlichen Wasserversorgung fehlt. Andererseits erhöht der Kunstschnee die Menge des Schmelzwassers, wodurch Speicherseen wiederum mit Keimen belastet werden. Dazu kommt, dass Schneekanonen Energiefresse sind: Sie verbrauchen im Jahr etwa so viel Energie wie 130.000 4-Personen-Haushalte. (Hier gibt es ein ausführliches Dokument zum Thema Schneekanonen vom BUND). Und auch Großevents wie Sportveranstaltungen fordern eine aufwendige Infrastruktur, um die vielen Tausend Teilnehmer und Besucher zu beherbergen. Laut dem BUND e.V. ist die Belastungsgrenze für den bayerischen Alpentourismus bereits überschritten.

Die Belastungsgrenzen sind überschritten, also besser verzichten?

Gleichzeitig würde ein Boykott des Winterurlaubs ebenfalls massive Folgen haben. Immerhin ist die Tourismusbranche eine beschäftigungsintensive Branche. Viele Existenzen sind in der Alpenregion vom Tourismus abhängig. Auch dies kann also nicht die Lösung sein.

Dass es auch anders geht, zeigen nachhaltige Tourismusangebote wie beispielsweise das Hotel Ucliva. Das Genossenschaftshotel wurde in den 1980er Jahren als Reaktion auf den aufkommenden Massentourismus gegründet. Als erstes zertifiziertes Öko-Hotel der Schweiz setzt es seit der Gründung im Jahre 1983 auf einen umweltverträglichen, sanften Tourismus und zeigt, dass es Alternativen gibt. Nachhaltig betriebene, inhaber- oder familiengeführte Unterkünfte gilt es ganz allgemein zu bevorzugen.

Was einen nachhaltigen Winterurlaub ausmacht

Vor Ort sollte man schließlich schonende Wintersportaktivitäten unternehmen. Zu den sanften Wintersportarten gehören beispielsweise geführte Wanderungen mit Schneeschuhen oder Tourenskiern, die die Natur schonen und für die keine natürlichen Habitate abgeholzt werden. Dies kann man zum Beispiel wunderbar im Villgratental, das mit den Bergsteigerdörfern Außervillgraten und Innervillgraten zu den traditionellsten, faszinierendsten und naturbelassensten Kulturlandschaften der Alpen zählt.

Durch einen Guide wird dabei vor allem sichergestellt, dass man in keine sensiblen Gebiete eindringt, in denen man die heimische Natur zerstören könnte. Und auch Rodeln ist eine sanfte Alternative, die viel Freude bereitet. Eine wunderbare Übernachtungsmöglichkeit im Villgratental ist die Alfenalm, die aus einer urigen Almhütte und Ferienwohnungen in einem über 300 Jahre alten Bauernhaus besteht.

Wer wiederum die Beschneiung durch Schneekanonen vermeiden will, der sollte in höhere Skigebiete fahren, in denen Schnee garantiert ist. Außerdem sollte der Skiurlaub nicht dann gebucht werden, wenn eigentlich kein Schnee liegt. Wie bei fast allen Debatten rund um die Klimakrise, muss auch beim nachhaltigen Winterurlaub ein gesundes Maß gefunden werden, das die einzigartige Naturlandschaft der Alpenregion schont und mit Respekt behandelt. Sodass auch künftige Generationen etwas am Ende von ihr haben.

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