Nachhaltiger Skiurlaub – Diese Regionen in Deutschland, Schweiz und Österreich zeigen, wie es geht

© Farina Kirmse

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass konventionelle Winterurlaube nicht gerade nachhaltig sind. Der Bau von großen Hotels, Seilbahnanlagen und der Einsatz klimaschädlicher Schneekanonen, die verantwortlich für massive Eingriffe in den empfindlichen Naturhaushalt sind, hat bereits früh Kritiker*innen hervorgebracht. Nicht verwunderlich, dass man sich dann auch fragt, ob man überhaupt noch ohne schlechtes Gewissen in den Winterurlaub fahren kann. Dass es auch anders geht, zeigen viele Modellregionen im Alpenraum, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für einen nachhaltigen Winter-Tourismus vor Ort einsetzen. Dabei setzen diese Pioniere nicht nur auf umweltfreundliche Konzepte für den Betrieb der Skigebiete, sondern auch auf alternative Aktivitäten im Schnee. Gemeinsam zeigen sie, wie ein vielfältiger und vor allem nachhaltiger Skiurlaub fernab der Massen aussehen kann. 

Ursprünglichkeit in den Bergsteigerdörfern

So laden die sogenannten „Bergsteigerdörfer“ zu einem entschleunigten Winterurlaub der anderen Art ein. Insgesamt 35 Orte im Alpenraum sind Teil des internationalen Netzwerks, bei dem in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort ein sanfter Tourismus vorangetrieben wird. Dabei sind viele Dörfer unter Alpinist*innen noch als echte Geheimtipps bekannt, wie zum Beispiel die Ortschaften Schleching, Sachrang und Kreuth in Oberbayern. 

Entschleunigung und Naturschnee auf dem „Slow Mountain“ in Davos

Ein ganz ähnliches Konzept bietet das Gebiet namens „Slow Mountain“ in der Region Schatzalp-Strela in Davos. Wer genug vom alpinen Skizirkus hat, ist hier an der richtigen Adresse. Nachdem das Gebiet sieben Jahre lang geschlossen war, hat der Berg nun im Zeichen einer neuen Gemütlichkeit wiedergeöffnet. Dabei möchte das Gebiet in erster Linie Reisende ansprechen, die sich nach Entschleunigung sehnen. Lobenswert ist auch, dass es keinerlei künstliche Beschneiung gibt und stattdessen Naturschnee pur zu Genießen gibt. 

© Rebecca Hoffmann

Sanfte Beschneiung und solarbetriebener Skilift in Kaiser-Brixental

Gleichzeitig sorgen zunehmend wärmere Winter dafür, dass immer mehr Winter-Destinationen von Naturschnee nur träumen können. Daher bedarf es innovativer Konzepte, die eine künstliche Beschneiung unter umweltfreundlichen Bedingungen erlauben. Ein Blick nach Österreich zeigt, wie das gehen kann: So sorgen in Kaiser-Brixental nachhaltig betriebene Schneekanonen für schneesichere Winter. Die Region setzt dabei auf eine sanfte Beschneiung mit effizienten und ressourcensparenden Maschinen, die zu 100 Prozent mit Ökostrom aus Tiroler Wasserkraft betrieben werden. Dabei stammt der Schnee aus insgesamt 16 Beschneiungsseen in Trinkwasserqualität, die sich durch die Schneeschmelze im Frühjahr immer wieder aufs Neue befüllen und so dem Wasserkreislauf der Natur zurückgeführt werden. Neben der sanften Beschneiung findet man in Brixen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Region: Bereits seit 2008 steht hier der weltweit erste solarbetriebene Skilift, der die Reisenden auf umweltfreundliche Art und Weise auf den Berg bringt. Es verwundert daher nicht, dass die Region für ihr Engagement zuletzt auch als umweltfreundlicher Skibetrieb ausgezeichnet wurde. 

Autark und elektrisch unterwegs in Flims Laax Falera

Ein weiterer Aspekt, den nachhaltige Winterregionen positiv beeinflussen können, ist das Thema Transport. Denn ähnlich wie bei anderen Urlauben spielt auch beim Winterurlaub die An- und Abreise sowie die Mobilität vor Ort eine entscheidende Rolle beim CO2-Ausstoß. Hier besteht ein großes Potenzial zum Einsparen. In der Graubündner Region Flims Laax Falera spielt dabei das Thema Elektromobilität eine große Rolle. Von einer guten Ladeinfrastruktur über E-Shuttle bis hin zum Car- und Ridesharing-Angeboten ist das Skigebiet schon ziemlich gut aufgestellt. Darüber hinaus hat sich die Schweizer Region nicht weniger vorgenommen, als das weltweit erste autarke Skigebiet zu werden, dass sich komplett selbst versorgt. Das soll gelingen, indem der gesamte Energiebedarf zu 100 Prozent aus regionalen und erneuerbaren Energiequellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse abgedeckt wird. Ein Sieben-Punkte-Plan definiert konkrete Maßnahmen, die dabei helfen sollen, aus der Vision bis 2030 eine Wirklichkeit werden zu lassen.

Wie ernst es der Region mit der Transformation meint, zeigt auch der reflektierte und kritische Umgang mit bestehenden Anlagen. So ist die Bergstation "Crap Sogn Gion" aus den 1960er Jahren aus ökologischer Sichtweise der wohl größte und ineffizienteste Energiefresser der Region. Deshalb steht nun eine großflächige Sanierung der Bergstation nach umweltverträglichen Gesichtspunkten auf dem Plan, die den Energiefresser zu einem nachhaltigen Energieproduzenten machen soll. 

Rheinschlucht, Surselva, Graubünden, Schweiz, Zervreilasee
© Charlott Tornow

Slow-Winter-Aktivitäten in Schladming-Dachstein

Neben diesen ganzen positiven Bestrebungen, die die verschiedenen Skigebiete leisten, sind es zuletzt auch alternative Aktivitäten vor Ort, mit denen man einen positiven Beitrag leisten kann. So kann man beispielsweise im österreichischen Schladming-Dachstein bei einer Vielzahl ruhiger Winter-Aktivitäten so richtig runterfahren. Dank des Winterwandertickets kann man beispielsweise zahlreiche (Schneeschuh-)Wanderungen unternehmen oder die hübsche Schneelandschaft während einer Schlittenfahrt in vollen Zügen genießen. Wer doch einmal Skifahren gehen möchte, kann hinterher bei einer Einheit „Ski Yoga“ zur Ruhe kommen und die hübsche Naturkulisse auf ganz andere Weise genießen. Apropos Genießen: Wenn sich nach soviel Aktivitäten der Magen lautstark meldet, kann sich in einer der Schutzhütten von den regionalen Köstlichkeiten kulinarisch verwöhnen lassen. Der steirische Vier-Hauben-Koch Richard Rauch hat es sich gemeinsam mit mehreren Hüttenwirten aus der Region zur Aufgabe gemacht, kreative Almgerichte auf Basis von bodenständigen und regionalen Produkten zu zaubern. 

Eingecheckt Falkensteiner Hotel Schladming
© Charlott Tornow

Nachhaltigkeit im Winterurlaub entlang der gesamten Customer Journey

Von der Anreise zum eigentlichen Skibetrieb über die Aktivitäten vor Ort – die vorgestellten Regionen zeigen mit ihrem ganzheitlichen Engagement, dass das Thema Nachhaltigkeit entlang der gesamten Customer Journey längst auch in Winter-Destinationen angekommen ist. Nun bleibt nur zu hoffen, dass sich auch andere Regionen diesen positiven Bestrebungen perspektivisch anschließen werden – sodass auch in Zukunft ein Winterurlaub ganz ohne schlechtes Gewissen möglich ist und wir am Ende nicht verzichten müssen, sondern es genügend attraktive Alternativen gibt, die einen Bergurlaub im Schnee nachhaltig ermöglichen.

Nachhaltiger Skiurlaub – Tipps für Ferienunterkünfte

Hotels in Österreich
Nachhaltiger Tourismus ist in Österreich schon lange kein Fremdwort mehr. Die bestehenden Werte und natürlichen Ressourcen werden bewahrt und an folgende Generationen weitergegeben. Das spiegelt sich auch in der Fülle an nachhaltigen Ferienunterkünften wider.
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Hotels in der Schweiz
In diesen 11 Unterkünften in der Schweiz kannst du auf ganz unterschiedliche Art und Weise einen nachhaltigen Urlaub verbringen. Zum Beispiel bei einem Urlaub in einer traditionellen Alpwirtschaft. Hier gibt es regionale Spezialitäten zu kosten, da werden vegane Drei-Gänge-Menüs auf den Tisch gezaubert.
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