11 Produkte aus Madeira, die du unbedingt probieren musst

In meinen Artikeln betone ich immer wieder, wie wichtig für mich das Ausprobieren der lokalen Küche ist, wenn ich auf Reisen bin. Selbst wenn ich in einem Ferienhäuschen übernachte oder mit dem Camper unterwegs bin, also durchaus auch jeden Tag kochen und den Geldbeutel schonen könnte, geh ich ziemlich regelmäßig essen, halte an kleinen Ständen, probiere hier ein Getränk und da eine Süßigkeit, die ich noch nicht kenne. Auf meiner Reise nach Madeira hat das besonders viel Spaß gemacht. Die Insel im Atlantik gehört zwar zu Portugal und einige typisch portugiesische Produkte wie Oliven gibt es auch auf Madeira, aber die Insulaner*innen haben über die Jahrhunderte eine recht eigenständige kulinarische Ausprägung entwickelt, die du wohl nirgendwo sonst findest. Ich stelle dir deshalb 11 Produkte aus Madeira vor, die du bei deiner Reise auf die Insel unbedingt probieren musst.

1. Nippe feinsten Rum von der Insel

Wer im April und Mai nach Madeira kommt, der wird ein besonderes Spektakel auf den Straßen der Insel erleben: voll mit Zuckerrohr beladene Laster, die unter der Last der süßen Pflanze fast zusammenbrechen. Überall auf der Insel wird seit Jahrhunderten Zuckerrohr angebaut, der im Frühjahr geerntet und während der sechs- bis achtwöchigen Erntephase zu einzigartigem Rum verarbeitet wird. Auf Madeira gibt es heute noch fünf Destillerien, die sehenswerteste und bekannteste ist die Engenhos do Norte in Porto da Cruz. Die Brennerei arbeitet noch immer mit über 100 Jahre alten Dampfmaschinen. Im angeschlossenen Shop kannst du die diversen Rumsorten, die dort hergestellt werden, testen. Ich empfehle dir, den "970 Reserva 6 Anos" zu kosten und, wenn du ein echter Connoisseur bist, den 970 Reserva von 1990. Übrigens: Die beste Bar Madeiras, die Pukiki Bar, serviert ausschließlich Rumcocktails, einer besser als der andere.

2. Mampfe das Knoblauch-Süßkartoffelbrot Bolo do Caco

Wenn es etwas gab, von dem ich bei meiner Madeira-Reise nicht die Finger lassen konnte, dann war es Bolo do Caco. Das Brot mit dem für deutsche Ohren witzigen Namen besteht aus Süßkartoffeln und wird auf der Insel am liebsten mit einer dicken Schicht Knoblauchbutter gegessen. In jeder Bar und in jedem Restaurant steht das Brot auf der Karte und meistens bekommt man tatsächlich einen ganzen Fladen davon. Die Größe sollte man also nicht unterschätzen, vor allem, wenn man Bolo do Caco als Sandwich mit Fisch oder Steak bestellt – dann wird das Brot nämlich dick belegt und reicht zum Satt machen schon mal für den Rest des Tages.

3. Gönn dir ein oder zwei Poncha

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Poncha ist sowas wie das Nationalgetränk Madeiras und unverzichtbar bei einem entspannten Nachmittag oder einem ausgelassenen Start in den Abend. Der kleine Drink besteht aus Zuckerrohrbrand, Honig und frischem Orangensaft, wird frisch per Hand mit einem Quirl aus Holz zubereitet und – man kann es nicht anders sagen – knallt ordentlich. Nach einem ist man schon gut angetüdelt, nach zwei fahruntauglich. In verschiedenen Bars und Cafés bekommst du Poncha auch mit anderen Früchten, die auf der Insel wachsen, beispielsweise Maracuja. Das Original allerdings wurde aus Zitronen- oder Limettensaft hergestellt, der dem Zuckerrohrbrand beigemischt wurde, um die Seefahrer des 16. Jahrhunderts vor Skorbut zu schützen.

4. Bestelle frittierte Polenta als Beilage

In alles, was fettig und knusprig ist, könnte ich mich reinlegen. Dabei waren die Milho Frito eher eine Überraschungsentdeckung als ich in einem Restaurant auf der Suche nach einer veganen Beilage war. Frittierter Mais klang erstmal nicht schlecht, die riesigen Polenta-Würfel mit Kräutern, die kurze Zeit später auf dem Tisch standen, machten mich dann mehr als glücklich. Mais wird auf Madeira wie viele andere Getreide-, Früchte- und Obstsorten an den steilen Hängen der Gebirge auf Terrassen angebaut.

5. Schlürfe den süßen Madeira Wein

Madeira, porto de abrigo
© Charlott Tornow

Mindestens genauso bekannt wie der Madeira Rum ist der Madeira Wein, der mit seinem kräftigen süßen Geschmack an Portwein erinnert und ähnlich hergestellt wird. Um den Wein für den Transport in die portugiesischen Überseegebiete haltbar zu machen, wurde der Wein schon zu Kolonialzeiten mit reinem Alkohol angereichert. Dadurch wurde der Gärprozess abgebrochen und der Wein erhielt seinen Alkoholgehalt von 17 bis 22 Volumenprozent. Seinen besonderen Geschmack erhält der Wein durch die sogenannte Madeirisierung: Dabei wird der Wein zusätzlich drei bis fünf Monate bei 45 °C bis 75 °C gelagert. Den Wein kannst du in fast jedem Supermarkt kaufen, ich empfehle dir aber, eine kleine Tasting-Session der verschiedenen Sorten zu machen, zum Beispiel in der urigen Bar Porto de Abrigo. Wenn du noch mehr über die Weinherstellung Auf Madeira wissen willst, kannst du auch eine Wein-Tour über die Insel machen.

6. Iss zum Kaffee ein Stück Bolo de Mel

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Bolo de Mel da Madeira habe ich zum ersten Mal an der Algarve im Supermarkt entdeckt, wo ich den würzigen Kuchen aus Interesse kaufte und dann kaum mehr aus den Händen legen konnte. Bolo de Mel ist das wohl älteste Dessert Madeiras und wurde im 15. Jahrhundert von Nonnen in Funchal entwickelt. Auch wenn Bolo de Mel übersetzt Honigkuchen bedeutet, wird er traditionellerweise mit dem auf Madeira angebauten Zuckerrohr hergestellt, was dem Kuchen seine dunkle Farbe verleiht. Am ehesten vergleichbar ist der Geschmack wohl mit Lebkuchen, denn für die Herstellung werden ähnliche Gewürze wie Zimt, Anis, Nelke und Pfeffer genutzt. Auch wenn Bolo de Mel normalerweise erst im Dezember zum Weihnachtsfest gegessen wird, gibt es den Kuchen mittlerweile ganzjährig überall zu kaufen.

7. Nimm als Vorspeise einen Teller voll Lapas

Eine beliebte Vorspeise auf Madeira, die es in fast jeder Bar gibt, sind Lapas: in einer gusseisernen Schale über dem Feuer gedämpfte Napfschnecken. Das Fleisch ähnelt dem einer Muschel und hat mit den Schnecken, wie wir sie beispielsweise aus Frankreich kennen, nichts zu tun. Die Napfschnecken findet man auf Madeira vor allem an Felsen und Steinen direkt am Meer und wer aufmerksam beobachtet, wird den einen oder anderen Einheimischen beim Suchen und Sammeln der Schnecken direkt an den steinigen Stränden entdecken.

8. Snacke zum Bier eine Schale Tremoços

Kein Barbesuch ohne einen salzigen Snack, der noch durstiger macht. Was in Deutschland Erdnüsse oder in Portugal Oliven sind, das sind auf Madeira Tremoços: die Kerne der weißen Lupinenbohne. Sie werden vor allem im Süden Madeiras fast überall zum ersten Getränk serviert, ohne dass du groß danach fragen müsstest. Es sei denn, du willst eine zweite oder dritte Portion. Denn das kann bei den in knoblauchhaltiger Salzlake eingelegten Kernen ziemlich schnell passieren. Tremoços kannst du auch im Supermarkt ziemlich günstig kaufen und wenn du so süchtig wirst wie ich, solltest du dir eine große Portion mit nach Hause nehmen, denn in Deutschland findest du die Lupinenkerne nur in Feinkostläden zu horrenden Preisen.

9. Iss seltene Inselfrüchte

Madeira hat ganzjährig ein gemäßigtes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 20 Grad. Hier wächst also so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann – vor allem Früchte, deren Namen du vorher noch nie gehört hast. Meine absoluten Highlights sind dabei Pitangas und Cherimoyas. Pintanga, auch Surinamkirsche genannt, ist vor allem in Südamerika heimisch, aber auch in Afrika, der Karibik und eben auf Madeira findet man die kleine rote, süß-saure Frucht, die reich an Vitamin C ist. Die Madeirensen schätzen die Frucht so sehr, dass sie sie nicht nur in süße Produkte wie Torten, Marmeladen, Eis oder Kuchen mischen, sondern auch Liköre daraus machen. Auch die Cherimoya ist normalerweise in Südamerika heimisch, wächst aber auf Madeira ganz ausgezeichnet. Während sie äußerlich an eine Artischocke erinnert, schmeckt das weiße, mit schwarzen Kernen durchsetzte Fruchtfleisch fast wie das Tropical-Gummibärchen.

10. Schlag dir den Bauch voll mit Espetada

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Wenn du gern Fleisch isst, dann darf eine Speise auf deiner Madeira-Reise nicht fehlen: Espetada. Darunter wird in der portugiesischen Küche allgemein das Grillen von Speisen am Spieß verstanden, wobei verschiedenste Fleisch- und Fischsorten verwendet werden. Deutschen Grillfans ist diese Technik natürlich nicht ganz unbekannt, auf Madeira wird aber eine ganz besondere Art Espetada serviert, denn hier wird das Rindfleisch zunächst mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Lorbeer gewürzt, bevor es auf einen für Madeira typischen Lorbeerstängel aufgespießt und gegrillt wird. Dadurch erhält das Fleisch sein ganz besonderes Aroma. Dazu gibt's Bolo do Caco oder Milho Frito und als Digestif ein Glas Rum. So kannst du dich an einem Abend einmal durch fast alle Aromen Madeiras schlemmen.

11. Probiere den ausgefallenen Drink Nikita

Wer auch immer den Drink Nikita entworfen hat, ich bin der festen Überzeugung, dass diese Person eigentlich eine Piña Colada mischen wollte, aber weder Kokosnuss noch Rum übrig hatte, und kurzerhand einfach zum Bier und Vanilleeis gegriffen hat. Zugegeben, die Mischung klingt ein bisschen wild und ich hab sie auf meinem Madeira-Trip auch nicht probiert. Aber wer einen originalen Madeira-Cocktail probieren will, sollte nach Câmara de Lobos fahren – wo der Drink erfunden wurde – und die Nachmittagssonne bei einer Runde Nikita genießen.

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