Travel Buddies – Nachhaltig reisen mit Julia Lassner von Globusliebe

© Julia Lassner, Globusliebe

In unserem Format "Travel Buddies" erzählen uns Reiseprofis, warum sie die Welt erkunden, wie sich auf ihre Reisen vorbereiten, was im Urlaub nicht fehlen darf und was man zuhause lassen kann. Außerdem verraten sie uns ihren Geheimtipp für Europa.

Auf Julia Lassner bin ich gestoßen, als ich auf der Suche nach echten Instagram-Accounts war, die mich für meine eigenen Reisen inspirieren könnten. "Echt und Instagram passen nicht zusammen", werden jetzt bestimmte einige denken, aber genau das ist bei Julia und ihrem Blog Globusliebe der Fall. Sie berichtet sehr authentisch und aufgeregt von ihren Reisen und, wenn sie mal nicht unterwegs ist, ihrem Leben Daheim. Dabei legt sie viel Wert auf nachhaltiges Reisen und gibt viele Tipps, wie man Nachhaltigkeit easy in den Alltag integrieren kann, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger auf jene zu zeigen, die noch nicht so weit sind. Vor allem gefällt mir an Julia, dass sie auch die Schattenseiten des Tourismus aufzeigt: zum Beispiel, wenn sie in Hallstatt in Österreich ist und zugibt, dass sie Teil des Overtourism-Problems ist, das das kleine Dorf hat. Julia könnt ihr auf Instagram folgen, schaut auch mal in ihre Bücher, die sie bereits veröffentlicht hat.

Julia, warum macht dich das Reisen glücklich?

"Reisen bedeutet für mich vor allem Freiheit und Inspiration. Am meisten reizt mich das Unbekannte, das Fremde oder wie ich in meinem Buch Wie uns Reisen glücklich macht schreibe: 'Was uns während unserer Reise erwartet, welche Überraschungen wir erleben, welche Hürden wir meistern, was uns auf unserem Weg begeistern, verzaubern und erstaunen wird, wie wir uns verändern und als welcher Mensch wir zurückkehren werden, das alles wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch genau darin liegt der Reiz des Reisens.'"

Erzähl uns von einer Sache, die du auf Reisen gelernt hast.

"Auf Reisen habe ich gelernt, meine eigene Heimat mit anderen Augen zu sehen. Ich denke, ich musste erst ausbrechen und die halbe Welt bereisen, bevor mir klar wurde, wie wunderschön die Region doch eigentlich ist, in der ich aufgewachsen bin. Ich schätze Deutschland als Reiseziel mittlerweile sehr und möchte auf globusliebe.com zeigen, dass man nicht zwingend weit fliegen muss, um kleine und große Abenteuer zu erleben."

Auf Reisen habe ich gelernt, meine eigene Heimat mit anderen Augen zu sehen. Ich denke, ich musste erst ausbrechen und die halbe Welt bereisen, bevor mir klar wurde, wie wunderschön die Region doch eigentlich ist, in der ich aufgewachsen bin.
Julia Lassner

Du hast mal auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet, heute stehst du für Nachhaltigkeit. Was hat sich in den Jahren geändert? Warum ist Nachhaltigkeit wichtiger denn je?

"Vier Jahre lang habe ich auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet, ohne darüber nachzudenken, wie schädlich diese riesigen Dampfer für die Umwelt sind. Ich hatte eine wundervolle Zeit auf den Weltmeeren, die ich niemals rückgängig machen würde, aber seitdem ist viel bei mir passiert. Die ersten Gewissensbisse kamen 2018. Ich beschäftigte mich plötzlich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit, las stapelweise kritische Bücher, schaute Dokus und begann mein eigenes Handeln zu hinterfragen. Heute ist Nachhaltigkeit einer der Themenschwerpunkte auf globusliebe.com und ich habe mir fest vorgenommen, auch andere Menschen zum Umdenken zu bewegen. Ich möchte zeigen, dass Umweltschutz und Reisen sehr wohl zusammenpassen."

Wie passen Umweltschutz und Reisen denn zusammen?

"Zum Beispiel weniger fliegen und dafür mehr im eigenen Land unterwegs sein. Und wenns doch mal weiter weg gehen soll, dann den Nachtzug nehmen."

Ich habe mir fest vorgenommen, auch andere Menschen zum Umdenken zu bewegen. Ich möchte zeigen, dass Umweltschutz und Reisen sehr wohl zusammenpassen.
Julia Lassner

Was glaubst du, wie wird sich unser Reiseverhalten in Zukunft verändern?

"Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass das Reisen in Zukunft nachhaltiger wird und zwar von beiden Seiten – von der Tourismusindustrie sowie von den Reisenden. Ich wünsche mir zum Beispiel, dass Unterkünfte schonender mit Ressourcen umgehen, dass das Nachtzugfahren erschwinglicher wird, dass Einwegplastik in Flugzeugen verboten wird und dass Business-Meetings öfter per Skype stattfinden, anstatt mal eben von Berlin nach München zu fliegen. Letzteres sollten wir durch die Coronakrise ja nun schon bestens gelernt haben."

© Julia Lassner, Globusliebe

Apropos Corona-Krise. Aktuell steht die ganze Welt still: Wie bleibst du positiv, obwohl du nicht reisen kannst?

"Anfangs war die Coronakrise ein echter Schock für mich. Alle Aufträge für dieses Jahr wurden von einem auf den anderen Tag storniert, ein großes Herzensprojekt, an dem ich monatelang gearbeitet hatte, zerplatzte und meine kompletten Einnahmen brachen weg. Ich durchlief sämtliche Gefühlswelten von Wut und Trauer über Verzweiflung und Existenzangst bis hin zur völligen Ohnmacht. Mittlerweile geht es mir sehr viel besser. Die letzten vier Wochen war ich so sehr mit Umzügen beschäftigt, dass Corona zur absoluten Nebensache wurde. Wenn neuerdings nicht alle mit Mundschutz draußen rumlaufen würden, würde ich wahrscheinlich komplett vergessen, warum ich eigentlich im Moment so viel Zeit habe. Die finanziellen Sorgen geistern zwar hin und wieder immer noch im Hinterkopf, aber aktuell bin ich einfach nur überglücklich, dass wir jetzt in einem Traumhaus wohnen und jede Menge Zeit zum Einrichten haben."

Wie holst du dir das Fernweh nach Hause, wenn du nicht reisen kannst?

"Exotische Gerichte kochen finde ich super, um ein bisschen Reisefeeling nach Hause zu holen, zum Beispiel ein scharfes Thai Curry oder indisches Dhal."

Reiseblogger*in ist für viele der Traumberuf. Du hast dich 2014 als Reisejournalistin selbstständig gemacht. Glaubst du, dass das 2020 noch möglich ist? Und welchen Tipp würdest du jemandem geben, die sich selbstständig machen will?

"Da das Reisen aufgrund von Corona aktuell nicht möglich ist, ist 2020 wohl das schlechteste Jahr aller Zeiten, um sich mit einem Reiseblog selbstständig zu machen. Grundsätzlich rate ich jedoch jedem dazu, seine Träume zu verwirklichen. Allerdings sollte man die Sache unbedingt realistisch angehen und nicht davon ausgehen, dass man von heute auf Morgen als Blogger erfolgreich sein kann. Eine Leserschaft muss über Jahre hinweg aufgebaut werden. Angehenden Reisebloggern rate ich deshalb, extrem viel Geduld und Durchhaltevermögen mitzubringen. Erfolg fällt nicht vom Himmel, sondern ist harte Arbeit. Wer Spaß an dieser Arbeit hat und ehrgeizig ist, der kann seine Ziele definitiv erreichen. Ich sage deshalb immer: Go for it!"

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass das Reisen in Zukunft nachhaltiger wird und zwar von beiden Seiten – von der Tourismusindustrie sowie von den Reisenden.
Julia Lassner

Bei all den Reisen, die du bisher gemacht hast: Gibt es ein schönstes Reiseerlebnis?

"Zugegeben, ich bin kein großer Fan von dem einen schönsten Reiseerlebnis, dem schönsten Ort oder dem allerschönsten Land, denn das würde all die anderen Erlebnisse, Momente und Erfahrungen irgendwie abwerten. Ich persönlich habe mir deshalb abgewöhnt, Erlebnisse oder Länder miteinander zu vergleichen. Reiseerlebnisse, an die ich sehr, sehr gerne zurückdenke, sind zum Beispiel mein Auslandssemester auf Bali vor acht Jahren, ein Roadtrip mit meiner Schwester in einem klapprigen Campervan durch Australien, mein Kulturschock in Indien oder die zwei Wochen ohne Gepäck auf der Karibikinsel Saint Lucia."

© Julia Lassner, Globusliebe

Und welchen Ort in Europa müssen wir unbedingt gesehen haben?

"Eine sehr schwierige Frage. Ich liebe Europa vor allem wegen der Vielfältigkeit. Auf verhältnismäßig kleinem Raum kann man hier so viele verschiedene Länder mit unterschiedlichen Kulturen und Landschaften bereisen, dass ich oft gar nicht weiß, wo ich als Nächstes hin möchte. Besonders gut gefallen hat mir der Durmitor Nationalpark in Montenegro, den ich 2017 besucht habe. Ich übernachtete mit einer Freundin in einer urigen Blockhütte mitten im Nirgendwo. Am Morgen wurden wir vom Gebimmel der Kuhglocken geweckt. Es gab hausgemachte, landestypische Spezialitäten zum Frühstück und anschließend starteten wir Wanderungen durch die atemberaubende Natur, in der uns oft stundenlang keine Menschenseele begegnete. Ob das heute auch noch so ist, weiß ich leider nicht."

Zu guter Letzt: Wer inspiriert dich gerade?

"Da ich seit vier Wochen durchgehend im Umzugsstress bin, inspirieren mich aktuell die kleinen Momente, in denen ich mich mit einer Tasse Kaffee auf die Dachterrasse setze, mein Gesicht in die Sonne halte, den Kopf ausschalte und versuche an gar nichts zu denken. In diesen kurzen Momenten der Stille, sprudeln die Ideen oft so aus mir heraus, dass ich aufspringe, einen Notizblock heraus krame und alles aufschreibe. Wenn ich grade nicht im Umzugsstress bin, dann finde ich die größte Inspiration in der Natur. Farben, Formen und Licht inspirieren mich sehr."

Vielen Dank, Julia!

© Julia Lassner, Globusliebe

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