11 Profi-Tipps für deine erste Reise mit dem E-Bike

© David Karg

Der Wind peitscht mir um die Ohren, während ich die holprige Schotterpiste hinunter rase. Ich kann spüren, wie sich alle Muskeln meines Körpers anspannen und das Adrenalin mich durchflutet. Ich nehme den Schwung der letzten Abfahrt mit und flitze den nächsten Anstieg nach oben. Als ich merke, dass ich langsamer werde, schalte ich in den eMTB-Modus um und schon geht es mit rasanter Geschwindigkeit den steilen Berghang hinauf. Ich habe ein richtiges Uphill-High! Auf meinem Gesicht macht sich ein Dauergrinsen breit und in meinem Kopf hallen die Worte nach, die meine Mitfahrerin Steffi mir vor meiner ersten E-Mountainbike-Tour eingeflößt hat: "Life is better on a bike!" Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich diesen Enthusiasmus nachvollziehen. Denn wer glaubt, das Glück sei dem Sprichwort zu Folge auf dem Rücken eines Pferdes zu finden, saß noch nie auf dem Sattel eines E-Mountainbikes.

Anfang Oktober war ich mal wieder im Eggental im schönen Südtirol unterwegs. Obwohl ich diese Region schon häufig besucht habe, konnte ich sie auf meinem letzten Trip noch einmal ganz neu erleben. Denn zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich gemeinsam mit Bosch eBike Systems zum ersten Mal auf ein E-Bike gewagt und bin kilometerweit die Hänge im Alto Adige hoch und runter gesaust. Und was soll ich sagen? I am feeling the flow – E-Bike fahren ist absolut genial! Denn es gibt dir die Möglichkeit, die Bergwelt mal auf eine ganz andere Weise zu erfahren. Normalerweise genieße ich es, beim Wandern von dem ruhigen Rhythmus der Natur umgeben zu sein und zu entschleunigen, doch diesmal habe ich, auf dem Sattel sitzend, einen Gang zugelegt. Das Coole ist, dass du auch als Anfänger*in mit deinem E-Bike viel größere Distanzen zurücklegen kannst und deine Tour somit viel reicher an Eindrücken und Erfahrungen ist. Wenn du mit dem E-Mountainbike unterwegs bist, kannst du deine Umwelt sogar in ganz neuen Dimensionen kennenlernen. Ich könnte stundenlang beschreiben, wie viel Spaß es macht, mit dem E-Bike unterwegs zu sein, aber eigentlich will ich dir nur eines mitgeben, probiere es unbedingt mal aus!

Damit du bald auch die E-Bike-Faszination teilst, habe ich den Profi-Bikern Jérôme Clementz und Greta Weithaler die 11 besten Tipps fürs E-Bikefahren entlockt – egal, ob du dich für einen elektrisch angetriebenen Urlaub in den Bergen, in der Stadt oder eine lange Tour entscheidest.

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© Mattias Fredriksson Photography

1. Finde heraus, welches E-Bike zu dir passt

Wenn du bei dem Wort E-Bike nur an alte Omis und gemütliche Opis denkst, die gemächlich das flache Donautal entlang gondeln, hast du den Großteil der elektrisch angetriebenen Fahrradwelt noch nicht kennengelernt. Denn E-Bikes sind nicht nur was für erschöpfte Rentner*innen, sondern auch für alle, die gerne aktiv sind und Lust auf lange Touren haben und sich auch mal steile Abhänge hinunterwagen wollen. Ob City-E-Bike, E-Mountainbike oder Tourenrad – du kannst dich ganz einfach im Laden oder online beraten lassen, welches E-Bike für deinen Reiseplan passend ist.

2. Lernen deinen neuen Bike-Buddy kennen

Wenn du dir ein E-Bike leihst oder kaufst, nimm am besten einmal auf dem Sattel Platz und drehe ein paar Runden, bevor es losgeht. Denn es ist nicht nur wichtig, dass du dich darauf wohl fühlst und dein Po bequem sitzt, sondern auch, dass du die wichtigsten Funktionen deines E-Bikes kennst und von dem Energy-Boost auch bestens profitieren kannst. Welche Unterstützungsstufen gibt es und wo schaltest du sie ein? Wo wechselst du die Gänge? Wo ist die Vorderbremse und wo die Hinterbremse? Und wie hebst du dein Bike am einfachsten an, wenn du doch mal ein unüberwindbares Hindernis vor dir hast? Wenn du die Antworten weißt, kann es losgehen.

3. Plane eine genaue Tour, bevor du loslegst

Okay, los geht's, aber wohin eigentlich? Ähnlich wie bei einer Wanderung solltest du natürlich auch wissen, wo es lang gehen soll. Eine Recherche im Vorhinein ermöglicht dir nicht nur festzustellen, ob die Strecke für dein Erfahrungslevel und deinen persönlichen Grad an Abenteuerlustigkeit geeignet ist, sondern auch, ob der Akku reichen wird oder ob du sicherheitshalber ein Ladegerät einpacken solltest. Über komoot, eine Routenplanungs- und Navigations-Apps, kannst du ganz einfach eine Route vorplanen und abschätzen, wie lange du ungefähr für die Tour brauchst.

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© Mattias Fredriksson Photography

4. Verfahre dich nicht!

Klar, der Weg ist das Ziel und abseits der Route entdeckt man auch ab und zu Neues, doch manchmal stößt man so eben auch an seine Grenzen oder auf unüberwindbare Hindernisse. Damit das nicht passiert, gibt es natürlich ein paar coole Tools, die dir dabei helfen, nicht in die Irre geleitet zu werden oder dich, wenn du dich tatsächlich mal verfahren hast, wieder zurück auf Kurs zu bringen. Ich war mit den Bordcomputern Nyon und Kiox unterwegs. Die beiden Reiseplaner sind ziemlich praktisch, denn sie sind mit deinen bereits geplanten komoot-Routen kompatibel. Der Allrounder Nyon ist definitiv auch für Sportbegeisterte geeignet, denn er navigiert dich nicht nur ans Ziel, sondern erfasst auch interessante Fitnessdaten. Auch über das SmartphoneHub und die COBI.Bike App kannst du ganz easy deine Routenhelfer connecten und auf 2D- und 3D-Kartenmaterial zugreifen. Mein persönlicher Favorit in der Orientierungswelt ist aber der kleine Kiox. Das schicke Teil navigiert dich und du hast deine Route und deine Fahrdaten immer im Blick.

5. Besorge dir die richtige Ausrüstung

Von Kopf bis Fuß kannst du dein Outfit ideal auf einen E-Bike-Trip ausrichten. Während es auf dem Schulweg als ziemlich uncool galt, einen Helm zu tragen, ist es unter echten Bike-Profis verpönt, keinen Kopfschutz aufzuziehen. Auf dem E-Bike bekommst du richtig Speed und gerade, wenn du in den schroffen Bergen unterwegs bist, wird dir niemand auf dem Mountainbike begegnen, der keinen Fahrradhelm trägt. Besonders gut geeignet sind sogenannte In-Mold-Helme, die mit einem dämpfenden Hartschaum zusätzlichen Puffer für dein helles Köpfchen bieten. Das Siegel DIN EN 1078 (CE) zertifiziert geprüfte Helme. Neben langen und kurzen Radhosen (die dreckig werden dürfen!), solltest du dich auch mit einem Regenschutz ausstatten. So kannst du auch bei Schlechtwetter einfach weiter radeln.

Die idealen Schuhe zum Biken haben eine flache Sohle und ähneln Skaterschuhen – sie haben also kein Profil, damit sie gut auf der Pedale haften. Weil das E-Biken wirklich richtig Spaß macht, vergisst du auch mal schnell die Zeit. Gerade im Winter heißt es deswegen "shine on", damit du auf dem Nachhauseweg nicht von vorbeifahrenden Autos übersehen wirst. Frontscheinwerfer, ein Rücklicht und Reifenreflektoren sind gesetzlich vorgeschrieben. Intelligente Lichtsysteme stellen sich sogar auf die jeweilige Fahrsituation mit Tagfahrlicht, Abblendlicht und Fernlicht ein. Klingt ein bisschen nach Festtagsbeleuchtung und leuchtenden Fullmoonparty-Accessoires, aber so kommst du auf jeden Fall auch bei Dunkelheit unversehrt zu Hause an.

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© Mattias Fredriksson Photography

6. Lass es entspannt angehen

So, nun kann es doch wirklich losgehen, oder? Aber wie startet man eigentlich? Am besten beginnst du in einer niedrigen Unterstützungsstufe (bei Bosch wird dieser beispielsweise Eco-Modus genannt), damit du nicht von dem Speed überrascht wirst. Das gibt dir auch die Möglichkeit, dich langsam an die Geschwindigkeitsunterstützung zu gewöhnen. Hast du schon einmal versucht, dein Auto im zweiten Gang zu starten? Mit viel Gefühl geht das zwar, aber für einen idealen Start wählst du auch beim Radfahren am besten einfach einen etwas niedrigeren Gang, wenn es los geht. Falls du direkt am Hang starten musst und der Weg steil nach oben führt, kannst du natürlich eine Stufe wählen, die dich und das recht schwere E-Bike mehr unterstützt. Um die stärkere Unterstützung auszugleichen, kannst du gleichzeitig einen etwas höheren Gang einstellen, damit du nicht wie wild durchtreten musst, wenn es hinauf geht.

7. Verschwende keine Energie und überwinde jedes Hindernis

Der E-Bike-Motor liefert am meisten Leistung, wenn du eine mittlere bis hohe Trittfrequenz fährst. Das bedeutet, wenn du einen zu hohen Gang wählst, der zu starken Widerstand gibt, wirst du automatisch entschleunigt und auch der Support gibt weniger Power. Siehst du zum Beispiel eine Steigung vor dir, schalte einfach einen Gang zurück, wähle einen stärkeren Unterstützungsmodus und schon bist du über den Berg.

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8. Sei allzeit (brems-)bereit

Nicht nur deine Beine, sondern auch deine beiden Zeigefinger spielen tatsächlich eine wichtige Rolle, wenn du mit dem E-Bike unterwegs bist. Um die vollständige Kontrolle zu behalten, solltest du natürlich immer bremsbereit sein und vor allem wenn es den Berg nach unten geht, intensive Vollbremsungen vermeiden, da du schnell Fahrt aufnimmst. Damit du in einem überraschenden Moment nicht zu stark bremst, solltest du nur einen Finger an die Bremse legen. Aus anatomischen Gründen sind dafür idealerweise die zwei Zeigefinger verantwortlich. Wenn du bremsen musst, benutze beide Bremsen gleichzeitig und bremse nicht abrupt, sondern gleichmäßig.

9. Bleib' sitzen, wenn es bergauf geht!

Eine kurze, aber sehr wichtige Regel: Bleibe mit deinem Allerwertesten fest auf dem Sattel sitzen, wenn es flach geradeaus oder bergauf geht. So sorgst du für eine gute Traktion auf dem Hinterrad, die nötige Stabilität und ein flexibles Vorderrad.

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© Mattias Fredriksson Photography

10. Steh' auf, wenn es bergab geht!

Du ahnst es wahrscheinlich schon, aber wenn es bergab geht, verhält sich die Gewichtsverlagerung natürlich anders. Auch wenn es sich instinktiv erst einmal sicherer anfühlt, sich nach hinten zu lehnen, solltest du bei einer Abfahrt aufstehen. Somit hast du mehr Belastung auf dem Vorderrad, um ein Wegrutschen zu vermeiden. Die ideale Position bergab sieht ungefähr so aus: Die Pedale sind parallel, so dass du beide Beine ausstrecken kannst. Bleibe locker in den Knien und beuge deine Arme leicht an und verlagere dein Gewicht nach vorne auf den Lenker und das Vorderrad. Das Ausbalancieren nach vorne und hinten verhält sich ähnlich zu einer Kurvenfahrt. Lehne dich nicht entgegen der Fahrtrichtung, sondern verstärke die jeweilige Bewegung mit der Ausrichtung deines Körpers. They see me rollin'...

11. Erste Hilfe für dein E-Bike

E-Bikes sind zwar im Vergleich zu Fahrrädern ohne elektrischen Antrieb relativ schwer, geben dir dadurch aber sogar mehr Sicherheit, da sie besser auf der Straße liegen und dir so ein besseres "grounding" geben. Doch du wirst merken, je länger du mit dem E-Bike unterwegs bist, desto dynamischer und risikofreudiger wird auch deine Fahrweise. Um für jeden Fall gewappnet zu sein, ist es daher immer sinnvoll, ein kleines Erste-Hilfe-Set für dich und dein Bike mitzunehmen. Denn ein Platten auf 2000 Meter Höhe würde ja bedeuten, dass nicht dein E-Bike dich, sondern du dein E-Bike tragen müsstest. Deshalb solltest du neben einem kleinen ärztlichen Notfall-Set aus Pflastern, Bandagen, Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe, die übrigens auch sehr praktisch im Fall einer Reparatur sind, auch immer Flickzeug, eine handliche Luftpumpe, einen Ersatzschlauch und, ganz wichtig, ein Minitool mit dem passenden Werkzeug, dabei haben.

Vielen Dank Greta und Jérôme für diese wertvollen Tipps!