Future Travel – 11 Tipps, wie du im Urlaub Strom sparen kannst

© Wiebke Jann

In unserer Reihe "Future Travel" beantworten wir spannende Fragen zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus und wie wir in Zukunft reisen werden. Kann Massentourismus nachhaltig sein? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf unser Reiseverhalten? Worauf sollte ich bei der Kompensation meiner Reise achten? Welche alternativen Reisemodelle gibt es? Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir mit diesem Format auf den Grund. Hast du selbst eine interessante Frage zum Thema? Dann schreib uns an [email protected].

Wer hat hier das Licht ausgeknipst?

Strom sparen ist gerade in ganz Europa ein großes Thema. Bedingt durch die Unterstützung der Ukraine im andauernden Angriffskrieg hat die russische Regierung Gaslieferungen an mittlerweile zwölf EU-Mitgliedstaaten verkürzt oder ganz gestrichen. Strom wird somit zu einem kostbaren Gut, viele befürchten einen kalten Winter. Das beeinflusst aber nicht nur unser Leben zu Hause, sondern auch jenes auf Reisen.

Um Strom zu sparen, wird in Berlin bei mittlerweile 200 Sehenswürdigkeiten und öffentlichen Gebäuden wie dem Hauptbahnhof oder dem Reichstaggebäude jetzt sogar nachts das Licht ausgeknipst. Strom sparen ist allerdings nicht nur wichtig, damit wir im Winter nicht im Kalten sitzen, sondern auch, um die klimawirksamen Folgen, die mit der Stromgewinnung verbunden sind, zu reduzieren: Die herkömmlichen Braun- und Steinkohlekraftwerke verantworten einen immensen Co2-Ausstoß, verschmutzen durch den Abbau das Grundwasser und führen zur Abholzung unserer Wälder. Eine Alternative ist Ökostrom, der zwar immer mehr gefördert wird, trotzdem machen erneuerbare Energien in Deutschland bisher nur 41 Prozent des Gesamtstroms aus. Der andere Teil wird noch immer durch Braun- und Steinkohle, Erdgas und Kernenergie gewonnen. 

Bad Gastein
© Charlott Tornow

Das 1,5-Grad-Ziel – das heißt, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen – wird mit unserem derzeitigen Stromverbrauch, unserer Lebensweise und weiteren Verzögerungen beim Ausbau erneuerbarer Energien unerreichbar, wie internationale Forschende im Fachblatt Nature veröffentlicht haben. Auch 2022 scheint keine Besserung in Sicht, denn seit dem 28. Juli 2022 sind all unsere weltweiten verfügbaren Ressourcen für dieses Jahr verbraucht – das heißt, wir leben auf Pump.

So viel Strom verbrauchen wir auf Reisen

Auch die wieder ansteigende Zahl an Reisenden weltweit ist Teil des Problems, denn auch mit ihnen steigt die Nachfrage an Strom. Aber wo wird im Tourismus überhaupt Strom verbraucht? Als größter Energieverbraucher zählt weiterhin der Luft- und Autoverkehr. Flughäfen verbrauchen mit der zugehörigen Infrastruktur und Kraftstoffgewinnung Unmengen an Strom. Auch das Voranschreiten der Digitalisierung führt dazu, dass der Stromverbrauch weiter zunimmt. Hättest du gedacht, dass 20 Google-Suchanfragen so viel Energie verbrauchen wie eine Energiesparlampe in einer Stunde? Damit eine Google-Suchanfrage beantwortet werden kann, müssen ganze Rechenzentren in Betrieb sein, was wiederum nur mit laufendem Strom funktioniert. Die meisten von uns buchen ihren Urlaub online, suchen nach Reisetipps über das Handy, soziale Medien sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken und zudem erwarten wir, dass WLAN in jeder Unterkunft wirklich vorhanden sein soll.  

Erstmal im Urlaubsort angekommen, schlägt der Stromverbrauch in Hotellerie und Gastronomie erheblich zu Buche. Klimaanlagen sind im Sommerurlaub in manchen Teilen Europas bei der aktuellen Hitzewelle kaum wegzudenken, auch Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Wellnessbereiche, Wäschereien und Pools verbrauchen viel Strom. Und dann wären da noch die indirekten, touristischen Aktivitäten: Wer im Winter Ski fährt, nutzt täglich Skilifte, die viel Strom verbrauchen, genauso wie die klimaschädlichen Schneekanonen, die oft zur zusätzlichen Beschneiung benötigt werden. Neben Hotels und Restaurants belastet das, darüber hinaus, die öffentlichen Stromnetze noch mehr. Mittlerweile gibt es aber viele Hotels, die grüne Energie nutzen und manche Skigebiete kommen gänzlich mit Ökostrom aus. 

Deswegen ist es so wichtig, dass wir nicht nur zu Hause achtsam mit unseren Ressourcen umgehen. Wie kannst du also auch im Urlaub Strom sparen

© Charlott Tornow

Im Urlaub Strom sparen: So einfach geht's

Wir haben ein paar Tipps gesammelt, mit denen du easy im Urlaub Strom sparen kannst.

  1. Urlaub fängt zu Hause an. Bevor du fährst, kannst du alle nicht notwendigen Geräte ausschalten und vom Netz nehmen.
  2. Drehe im Winter die Heizung aus, wenn du unterwegs bist. 
  3. Wähle ein ein energiesparendes Transportmittel. Gerade vermeidbare Kurzstreckenflüge umgehst du bestenfalls und reist mit dem Zug an. Die ICEs der Deutschen Bahn fahren beispielsweise alle mit Ökostrom. 
  4. In der Unterkunft solltest du Klimaanlagen und Ventilatoren sparsam nutzen. Lass die Klimaanlage nicht den ganzen Tag laufen, wenn du nicht im Zimmer bist, schalte sie nur kurz vorm Schlafen gehen an und während der Nacht wieder aus. 
  5. Warmwasser ist ein Stromfresser, denn zur Erwärmung des Wassers wird ziemlich viel davon benötigt. Versuche für einen geringen Verbrauch, so kurz wie möglich zu duschen. 
  6. Spare Wasser und Strom gleichzeitig, indem du Handtücher öfter verwendest. So muss die Waschmaschine nicht zu oft genutzt werden. 
  7. Mittlerweile gibt es viele Unterkünfte, die mit grünem Strom betrieben werden, einige sind mit nachhaltigen Labels versehen, denen du vertrauen kannst. 
  8. Lass unnötige elektronische Geräte zu Hause. 
  9. Und nimm auch im Urlaub ungenutzte Ladegeräte vom Netz. 
  10. Versuche, weniger zu streamen und genieße deine Umgebung mehr offline. 30-Minuten Video-Streaming verbrauchen soviel CO₂ wie eine sechs kilometerlange Autofahrt. 
  11. Falls du mit einem Campervan unterwegs bist, kannst du für die Stromversorgung Solarpanels nutzen, anstatt dich auf Campingplätzen als lokale Stromnetz anzuschließen.

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