Urlaub nach Corona: Können wir jetzt wieder unbeschwert reisen?

© Malwin Béla Hürkey

Ich renne. Schon zum zweiten Mal höre ich meinen Namen in der Lautsprecherdurchsage und im Laufen merke ich, dass mich natürlich alle anstarren. Bestimmt bin ich schon ganz rot, jedenfalls bekomme ich kaum noch Luft durch diese gottverdammte FFP2-Maske. Ich renne und dann spüre ich, dass mein Rucksack aufgeht. Der halbe Inhalt verteilt sich auf dem Boden und während ich hektisch versuche, meine Haarbürste, zusammengerollte T-Shirts, die Plastiktüte mit den Flüssigkeiten und all meine anderen Habseligkeiten aufzusammeln, sehe ich gerade noch, wie das Gate geschlossen wird. 

Ich habe noch nie in meinem Leben einen Flieger verpasst, aber anscheinend will mir mein Unterbewusstsein klarmachen, dass ich bitte diesmal wirklich besonders pünktlich am Flughafen sein soll. Seit ich vor zwei Wochen mit Freundinnen beschlossen habe, in den Semesterferien für zehn Tage ein Haus auf Sizilien zu mieten, träume ich jede zweite Nacht, dass auf dieser Reise irgendwas schiefgeht. 

Mit Corona kam die Unsicherheit: Was, wenn der Flug gecancelt wird? Bekomme ich dann mein Geld zurück? Und was, wenn ich mich am Urlaubsort anstecke?

Bis vor zwei Jahren habe ich mir über sowas kaum Gedanken gemacht. Vor jeder Reise war die Vorfreude immer größer als die Vorstellung, dass irgendwas schiefgehen könnte. Die lustigsten Erinnerungen sind oft sogar genau in den Momenten entstanden, in denen irgendwas nicht so ganz nach Plan gelaufen ist. Doch mit Corona kam die Unsicherheit: Was, wenn der Flug gecancelt wird? Bekomme ich dann mein Geld zurück? Was, wenn ich mich selbst noch kurz vor der Abreise infiziere? Oder meine Begleitung? Würde ich dann allein fliegen oder auch zu Hause bleiben? Und was, wenn ich mich am Urlaubsort anstecke? Größere Reisen wurden in den letzten zwei Jahren immer wieder verschoben – auf nach dem Lockdown, nach der Impfung, nach der dritten Welle.

Die Pandemie hat uns beigebracht, dass Pläne sich in letzter Minute ändern können

Noch fünf Tage bis zum Abflug. Meine Freundinnen schreiben mir, dass sie ebenfalls nervös sind. Gefühlt die Hälfte unseres Umfelds hat gerade Corona, es scheint geradezu naiv, davon auszugehen, dass es uns nicht auf den letzten Metern vor der Abreise noch erwischen wird. Der Pandemie-Modus der letzten zwei Jahre hat uns beigebracht, dass Pläne sich jederzeit in letzter Minute ändern können. Nach zwei Pandemie-Jahren, die von Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und so vielen persönlichen Verlusten geprägt waren, scheint es auch mit der allmählichen Rückkehr zur Normalität so, als würde an jedem Plan immer noch ein großes „Unter Vorbehalt“-Schild kleben. Besser, man lässt die Vorfreude gar nicht erst zu groß werden.

Nach zwei Pandemie-Jahren scheint es auch mit der allmählichen Rückkehr zur Normalität so, als würde an jedem Plan immer noch ein großes „Unter Vorbehalt“-Schild kleben. 

Drei Tage bis zum Abflug. Ich stehe bei dm an der Kasse: Masken, Desinfektionsmittel, Schnelltests. Muss ich die Test-Kits eigentlich auseinandernehmen und diese kleinen Behälter mit der Test-Lösung in die Ziplog-Bag mit meinen Flüssigkeiten füllen? Ich google schnell nochmal, ob für die Einreise wirklich der Green Pass reicht. Dann checke ich meine Corona-Warn-App: vier Risiko-Begegnungen in den letzten Tagen, cool.  

Früher bin ich am Abend vor dem Urlaub noch ausgegangen und es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass ich betrunken meinen Rucksack gepackt, die Hälfte vergessen und mir am Ankunftsort erst mal eine neue Zahnbürste gekauft habe. Die Unterkunft für die ersten zwei Nächte hatte ich gebucht, was danach kommt – mal schauen. Wird Reisen jemals wieder so unbeschwert sein? 

Was mir am meisten gefehlt hat: die Vorfreude

Vor zwei Jahren hat meine Kollegin Charlott darüber geschrieben, wie sich das Reisen nach Corona wohl anfühlen wird. Sie schrieb damals, ihre größte Hoffnung sei, dass wir nach dieser Krise das Reisen an sich wieder mehr wertschätzen. Uns wieder bewusst werden, was Reisen für ein wahnsinniges Privileg ist. Und die Welt wieder mit ganz neuen Augen sehen. 

Und tatsächlich, während ich so darüber nachdenke, was genau mir in den letzten zwei Jahren eigentlich gefehlt hat, taucht sie auf einmal auf, meine Vorfreude. Ich bin gespannt, ob es sich wirklich wie das erste Mal Fliegen anfühlen wird, wenn ich zum ersten Mal seit zwei Jahren die Welt von oben sehe. Und neugierig, ob ich die Bestellung im Restaurant eigentlich noch auf Italienisch hinbekomme. Ich denke an die langen Monate im Lockdown, in denen ich mir so sehr gewünscht hatte, einfach irgendwo hinfahren und mal wieder etwas anderes sehen zu können als meine eigenen vier Wände. Egal, ob dabei alles glatt läuft, Hauptsache weg. Ich merke, dass ich die Sonne, die Pizza, die Kakteen am Straßenrand und den Blick aufs Meer kaum erwarten kann. Und versuche, nicht mehr darüber nachzudenken, was schiefgehen könnte. 

Ich merke, dass ich die Sonne, die Pizza, die Kakteen am Straßenrand und den Blick aufs Meer kaum erwarten kann. Und versuche, nicht mehr darüber nachzudenken, was schiefgehen könnte. 

Drei Tage später stehe ich am Flughafen von Palermo und erinnere mich an eine Erkenntnis, die ich auch früher in jedem Urlaub aufs Neue hatte: Mietwagen stressen hart. Die Dame am Schalter kann kein Wort Englisch und unser Italienisch, naja, um ein Eis zu bestellen, würde es wohl noch reichen, für „Führerschein“ und „Versicherung“ eher nicht. Irgendwie schaffen wir es dann doch noch, beim dritten Versuch wird unsere Kreditkarte akzeptiert und nach einiger Überzeugung verbindet sich sogar das Bluetooth im Auto endlich mit meinem iPhone, sodass wir Musik hören können.

Der Verkehr ist verrückt, es gibt keine Straßenmarkierungen, kaum Ampeln, es wird links und rechts laut gehupt, die Sonne blitzt durch die Wolken und scheint uns direkt ins Gesicht. Ich kurbele das Fenster runter und während wir am Meer entlang über die Autobahn sausen und Palermo hinter uns lassen, weiß ich, dass die nächsten zehn Tage gut werden.

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