Schäm dich! Warum fühlen wir uns mittlerweile schlecht, wenn wir an Urlaub denken?

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Urlaub. Uuuurlaub. An was denkst du gerade bei dem Wort? An Sonne und Meeresrauschen, an Sonnenbrand und klebrige Eiscreme an den Fingern, an hohe Gipfel und diese süchtig machende Erschöpfung nach einer langen Bergwanderung? An neue Kulturen und unverständliches Geschnatter auf einem großen Markt, an aufregende Erlebnisse mitten in der Natur und jede Menge Entspannung in diesem wunderschönen Hotelzimmer, in das du am liebsten eingezogen wärst?

Oder doch eher an Reisebeschränkungen, stornierte Flüge, PCR-Tests, Quarantäne und Corona-Mutanten? Puh, wie schnell dieses beschwingte Gefühl verschwinden kann.

Urlaub ist so wichtig für unser Seelenheil

Urlaub – das war eigentlich mal etwas, das allen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Die Aussicht auf freie Tage, Erholung, neue Erlebnisse und unbekannte Orte war ein Garant für gute Laune. Allein bei dem Gedanken an die nächste Reise arbeitete es sich meistens schneller. Hauptsache noch alle Aufgaben erledigen, bevor man sich auf die Suche nach dem Reisepass begab und noch schnell die Packliste vom letzten Urlaub rauskramte.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Menschen, die viel und gern Urlaub machen, immer etwas schief angesehen werden. So als hätten sie zu viel Zeit und Geld und würden nicht wirklich was zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Dabei ist Urlaub, und seien es nur ein paar freie Tage hier und da, so wichtig für unser Seelenheil. Wir gewinnen Abstand zu unserem Alltag, wir können reflektieren, was uns gut tut und mit den Menschen um uns herum neu in Verbindung treten. Wir lernen uns und unsere Mitmenschen (neu) kennen. Wir machen Erlebnisse – allein oder gemeinsam mit Anderen –, die uns prägen, uns vielleicht sogar mutiger und selbstsicherer werden lassen. Wir schöpfen neue Kraft, um danach wieder besser und fokussierter arbeiten zu können. Und wir lernen andere Kulturen kennen, werden offener und toleranter gegenüber uns vormals fremden Menschen. Reisen trägt im besten Fall zur Völkerverständigung bei und bringt uns alle näher zusammen.

Urlaub ist jetzt stornierte Flüge, PCR-Tests, Quarantäne und Corona-Mutanten

Die Corona-Pandemie hat all das auf den Kopf gestellt. Reisen ist jetzt plötzlich etwas Verwerfliches, etwas, mit dem man Anderen schadet, weil es das Corona-Virus erst in die ganze Welt getragen hat. Selbst im Sommer 2020, als die große Reisewelle vorausgesagt wurde, waren viele verhalten, blieben aus Angst Zuhause – und es stimmt ja auch, das Virus verschwand nicht, sondern kam im Herbst und Winter wieder und will seitdem einfach nicht verschwinden. Zumindest in manchen Ländern nicht. Obwohl mittlerweile nachgewiesen wurde, dass der Tourismus an sich kein Pandemie-Treiber ist, sondern vor allem private, große Zusammenkünfte, hat das Thema Urlaub Schaden genommen. Das, was uns einst Freude brachte, lässt viele allein beim Gedanken daran verbal die Fassung verlieren.

Obwohl mittlerweile nachgewiesen wurde, dass der Tourismus an sich kein Pandemie-Treiber ist, sondern vor allem private, große Zusammenkünfte, hat das Thema Urlaub Schaden genommen.

Das sieht man an der aktuellen Diskussionskultur in Deutschland. Kaum ein Reiseziel ist gerade so umstritten bei den Deutschen wie Mallorca. Nachdem die Bundesregierung die Einstufung der Balearen-Insel als Risikogebiet aufgehoben hat, erhöhten die Fluggesellschaften das Volumen ihrer Angebote für die Insel und ein vermeintlicher Ansturm begann – der allerdings eher einer lauen Brise gleicht. Nach Aussage des Reiseveranstalters Wikinger Reisen stieg die Auslastung "eher von minus 95 auf minus 85 Prozent" im Vergleich zu den Vorjahren. Dazu kommt, dass Mallorca hohe und strenge Sicherheits- und Hygienestandards sowie mittlerweile wieder eine nächtliche Ausgangssperre verhängt hat und deutsche Reiserückkehrer einen negativen PCR-Test vorweisen müssen. In manche Länder kann man nur mit negativem Test reisen und muss nach einer Woche einen erneuten Test machen. Diese Vorkehrungen haben viele Länder getroffen und sie halten sich strikt daran, um das Infektionsgeschehen einzudämmen und gleichzeitig Tourismus zu ermöglichen. Denn viele Menschen und Unternehmen, nicht nur auf Mallorca, sondern überall in Europa und auf der Welt sind abhängig vom Tourismus und freuen sich sogar über Touristen, die jetzt kommen.

Verantwortungsvolles Reisen während einer Pandemie

Denn Fakt ist, dass Urlaub gerade möglich ist. Im Gegensatz zum Frühjahr 2020 sind Flughäfen und Bahnhöfe geöffnet, viele Länder ermöglichen den Besuch von gastronomischen und kulturellen Einrichtungen sowie Bekleidungsgeschäften. Das alles findet unter erschwerten Bedingungen statt, klar. Und ja, Urlaub hat seine Leichtigkeit verloren. Aber muss es das? Muss man bei jeder nächstbesten Gelegenheit mit dem Finger auf Andere zeigen und sie an den Social-Media-Pranger stellen, nur weil man selbst gerade nicht in den Urlaub fahren kann oder will? Wichtig ist doch, dass wir alle weiterhin in jedem Bereich des Lebens verantwortungsvoll bleiben und das geht auch beim Reisen, wie wir im Sommer 2020 gesehen haben, als viele von uns im Urlaub waren und die Infektionen sogar noch gesunken sind.

Ich plädiere dafür, dass wir uns für diejenigen freuen, die auch aktuell in den Urlaub fahren können, anstatt nur bockig und neidvoll vor dem Computer zu sitzen. Ja, für uns alle ist die Situation schwierig, aber Neid und Zorn hat noch nie zu einer besseren Welt beigetragen.

Muss man bei jeder nächst besten Gelegenheit mit dem Finger auf Andere zeigen und sie an den Social-Media-Pranger stellen, nur weil man selbst gerade nicht in den Urlaub fahren kann oder will?

In diesem Artikel geben wir 11 Tipps, wie wir sicher während Corona Urlaub machen können und auf was wir dabei achten sollten.