So kannst du die Polarlichter in Europa erleben

© Jonatan Pie | Unsplash

Stundenlang im Dunkeln bei bis zu minus 15 Grad Außentemperatur im Schnee zu sitzen, dick eingepackt in mehrere Winterjacken, Handschuhe und die Mütze tief ins Gesicht gezogen – dieses Szenario gehört eigentlich nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Doch es gibt ein Naturphänomen, für das ich dieses ungemütliche Abwarten in der Kälte gerne in Kauf nehme: die Polarlichter. Denn sobald sich die auch als Nordlichter oder Aurora Borealis bekannten roten, grünen und lilafarbenen Farbschweife am Himmel blicken lassen, sind kalte Nasen und Füße schnell vergessen. Ich verrate dir, wo und wann du dieses wahnsinnig beindruckende Himmelsspektakel erleben kannst, was du nicht vergessen solltest und wie du dich am besten auf diese Erfahrung vorbereitest.

Wo kann ich Nordlichter in Europa sehen?

Der ideale Ort, um die Polarlichter zu beobachten, ist möglichst dunkel. In Großstädten hast du aufgrund der Lichtverschmutzung also weniger gute Chancen, das Naturphänomen zu beobachten. Deshalb solltest du die urbanen Lichtquellen lieber hinter dir lassen und dich ganz weit raus in die Natur begeben. Wie der Name bereits verrät, sind die eindrucksvollen Lichter in den nördlichen Regionen der Erde zu finden. Je weiter du dich oberhalb des nördlichen Polarkreises aufhältst, desto höher ist auch deine Chance, die bunten Lichtstreifen am Himmel zu sehen.

Der nördliche Polarkreis liegt auf dem 66. nördlichen Breitengrad und verläuft in Europa durch Finnland, Norwegen sowie Schweden und streift auch Island. Zu den beliebtesten Gegenden für eine Polarlicht-Reise gehören finnisch und schwedisch Lappland, wie beispielsweise der schwedische Nationalpark Abisko, etwa 100 Kilometer westlich von Kiruna, sowie Harriniva und Ivalo in Finnland. Auch das finnische Weihnachtsmanndorf Rovaniemi ist ein toller Spot in Finnland, um Nordlichter live zu erleben.

Zu den Highlight-Orten in Nordnorwegen gehören die Inselgruppen der Lofoten und Spitzbergen sowie die Umgebung der nördlich des Polarkreises gelegenen Städte Narwik, Bodo, Tromsø und Alta. Wer nach Island reist, um das Naturschauspiel zu beobachten, könnte am meisten Glück haben, denn die farbigen Lichter sind fast überall auf der Insel, sogar manchmal von der Hauptstadt Reykjavik, aus zu sehen. Der nicht weit entfernte naturgeschützte Nationalpark Thingvellir eignet sich ebenfalls.

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Wann kann ich Polarlichter erleben?

Je dunkler es wird, desto besser sind die Nordlichter zu sehen. Wenn die Tage also kürzer und die Nächte länger werden, steigen die Chancen auf Sichtungen. Die Saison der Polarlichter beginnt meist bereits Anfang September und reicht bis in den April hinein. Doch auch in der Nordlicht-Saison gibt es keine absolute Garantie, dass du das Himmelsphänomen erleben kannst. Denn neben der Jahreszeit spielen natürlich auch die Wetterbedingungen eine wichtige Rolle.

Deshalb solltest du vor deiner Expedition die Wettervorhersage beobachten und darauf achten, dass der Himmel möglichst wolkenfrei ist und kein Schneesturm naht. Ebenso gilt es auch den Mondzyklus in die Planung mit einzubeziehen. Denn je heller der Mond am Himmel leuchtet, desto schwieriger ist es, die Polarlichter zu sichten. Vollmondnächte solltest du also meiden, Neumond- sowie Sichelmondphasen erhöhen deine Sichtungschancen.

Mit diesen Apps findest du den idealen Tag für dein Polarlicht-Abenteuer

Zur Unterstützung kannst du auch Apps wie Aurora Forecast oder My Aurora Forecast and Alerts nutzen, die den sogenannten Kp-Index anzeigen, der die Polarlichtaktivität auf einer Skala von 0 bis 9 darstellt. Diese Apps geben nicht nur kurzfristige Prognosen für die nächsten Stunden, sondern zeigen dir auch deine Chancen für die kommenden Tage an.

Was brauche ich für meine Polarlicht-Beobachtung?

Geduld. Denn wie jedes Naturphänomen erscheint die Lichtershow nicht auf Knopfdruck. Damit du auch längere Zeit entspannt im Schnee ausharren kannst, solltest du dich auch warm einpacken, heißen Tee vorbereiten und vielleicht sogar eine Wärmflasche unter deiner Jacke tragen. Lass dich nicht von den innerstädtischen Temperaturen täuschen, denn gerade an windigen Tagen kann es in der Einöde wirklich bitterkalt werden.

Natürlich solltest du den magischen Anblick in allererster Linie mit deinen eigenen Augen erfahren. Damit du aber auch deinen zuhause gebliebenen Freund*innen möglichst anschaulich von diesem einmaligen Erlebnis berichten kannst, ist es natürlich absolut legitim, eine Kamera einzupacken, um das Lichtschauspiel festzuhalten. Dabei gibt es einige Faktoren, die dir dabei helfen, die farbigen Lichter, die über den Himmel wandern, richtig einzufangen.

Polarlichter erleben, Finnland, Schweden, Lappland, Norwegen, Island
© bjorn are with andreassen | Unsplash

Wie kann ich Polarlichter fotografieren?

Wähle auf jeden Fall die manuelle Einstellung deiner Kamera und erhöhe die Verschlusszeit. Welche Belichtungszeit dabei ideal ist, ist schwer zu sagen, da sich die Aurora in unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegt und auch die Helligkeit des Lichtes variiert. Bewegen sich die Polarlichter eher schnell und leuchten intensiv, reicht eine geringe Verschlusszeit von fünf bis zehn Sekunden meist aus. Sind sie schwächer, kannst du sie auf 20 bis 25 Sekunden einstellen.

Um die tanzende Lichtershow aufnehmen zu können, solltest du auch die Schärfe korrigieren. Dazu kannst du die ∞-Einstellung an deinem Objektiv aktivieren. Ein Weitwinkelobjektiv ermöglicht es dir außerdem, einen großen Himmelsausschnitt einzufangen. Je dunkler deine Umgebung ist, desto weiter solltest du die Blende der Kamera öffnen. Wähle dazu mindestens f4 oder besser noch f2,8. Damit dein Bild auf Grund der Langzeitbelichtung nicht verwackelt, ist es wichtig, die Kamera während der Aufnahme auf keinen Fall zu bewegen. Aus der freien Hand ist das leider nicht möglich, aber mit einem Stativ kannst du einen sicheren Stand herstellen.

Nicht nur jede Kamera und jedes Objektiv unterscheidet sich, auch ein Nordlicht  gleicht nicht dem anderen, deshalb solltest du dich auf ein wenig Herumexperimentieren einstellen. Am besten wählst du eine Speicherkarte mit möglichst hoher Kapazität, damit du dich während des Spektakels nicht auf das Löschen von misslungenen Bildern konzentrieren musst. Außerdem solltest du einen Ersatzakku einpacken und diesen in deinem warmen Rucksack bis zum Einsatz aufbewahren. Denn durch die kalten Temperaturen verlieren die Akkus schneller ihre Ladung.

Erlebe Polarlichter auf einer Zugfahrt durch den Norden

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Dass wir gerne mit dem Nachtzug unterwegs sind, haben wir ja schon einige Male erzählt. Für uns ist so eine Nacht im Schlafabteil so gut wie perfekt, doch es gibt zwei Strecken, die diesem Erlebnis noch ein kleines Upgrade verpassen. Denn sowohl in Norwegen als auch in Schweden gibt es zwei Nachtzüge, die dich gen Norden bringen und dir dabei auch noch freie Sicht aus dem Zugfenster auf die Polarlichter bieten.

Über 700 Kilometer weit schlängelt sich die Nordlandsbahn von Trondheim nach Bodo durch Norwegen, durchfährt dabei verschiedenste klimatische Zonen sowie Landschaften – von denen eine beeindruckender als die andere ist – und überquert schlussendlich den Polarkreis. Während im Sommer das Sonnenlicht bis spät in die Nacht leuchtet, kannst du mit etwas Glück in den Herbst- und Wintermonaten die Polarlichter beobachten. Das schwedische Äquivalent, der Arctic Circle Train, startet in Stockholm und fährt über Kiruna weiter bis nach Narwick. Der Nachtzug bringt dich durch eine wenig besiedelte Landschaft, in der sich die Polarlichter nicht gegen urbane Lichtquellen durchsetzen müssen.

Verbringe eine Nacht unter dem Polarlicht-Himmel

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Wer sich keine teure Reise mit Polarlicht-Guide leisten kann, sollte einen Trip Ende August oder im September planen. Denn dann ist es noch warm genug, um ganz weit in den Norden zu reisen, das Zelt dank des Jedermannrechts mitten im Nirgendwo, weit entfernt jeglicher Lichtquellen, aufzuschlagen und eine Nacht unter dem Polarlicht-Himmel zu campen. Eine weitaus gemütlichere und vor allem warme Variante ist die Übernachtung in schicken Hütten oder Iglus mit gigantischen Panoramafenster. Der Luxus, das Ganze vom Bett aus zu genießen, hat aber natürlich auch seinen Preis. Eine Nacht für Zwei kostet meist ab 180 Euro aufwärts.

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